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Ei, ei, was schlottert denn da?

Ei, ei, was schlottert denn da?

Hühner: Der Solinger Züchter Herbert Wieden hat die ausgestorbene Rasse der Schlotterkämme neu gezüchtet.

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p class="text"><strong>Solingen. Über eine saftige Wiese im Solinger Bergland stolziert eine schwarz-weiße Hühnerfamilie. Die Bergischen Schlotterkämme picken hier ein Körnchen, da ein Hälmchen. Hellrot leuchten ihre Kämme im Gegenlicht. In der ländlichen Idylle wirken sie wie der Inbegriff glücklichen Federviehs. Dass es ihre bereits ausgestorbene Rasse wieder gibt, verdanken sie Züchter Herbert Wieden (73). Er hat dafür gesorgt, dass im Bergischen wieder geschlottert wird.Denn die Schlotterkämme waren seit den späten 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausgestorben. "Mein Großvater hatte die letzten, dann waren sie verschwunden", erzählt Züchter Wieden. Schlotterkämme kannte er nur von Bildern. "Erst später fand ich heraus, was für besondere Hühner das eigentlich waren." Ihre Besonderheit ist das Gefieder. 200 Jahre lässt sich die Züchtung zurückverfolgen. Die schwarzen Federn haben einen eingeschlossenen weißen Punkt. Dadurch wirken die Hühner gefleckt, oder wie man auf bergisch sagt: gedobbelt. "Das kommt vom Brettspiel. Da gibt es schwarze und weiße Spielsteine, die Dobbel", erklärt Wieden.

Eine Hühnerrasse, die es weltweit nur in Solingen gibt

Doch wie kann man eine ausgestorbene Tierart wieder beleben? Wieden züchtete die Rasse neu. Er nahm schwarz-goldene Bergische Kräher und kreuzte sie mit silbernen Barthühnern. Bei den Nachkommen erschienen helle Tupfen im schwarzen Gefieder. Der Haken: Die neue Rasse hatte Bärte. Also wurden bartlose Kräher eingekreuzt. Die Bärte verschwanden, die typischen hellroten Kämme bildeten sich aus, die bei Kopfbewegungen hin- und herschlottern und denen die Rasse ihren Namen verdankt.

Schwarz-weiße Schlotterkämme gibt es weltweit nur bei Züchter Wieden. Um Inzuchtschäden zu vermeiden, muss Wieden andere Rassen einkreuzen. Das Schwierigste dabei ist, die ausgeprägten Kämme der Hühner zu erhalten.

Ursprung Wie bei den meisten Bräuchen verliert sich auch beim Hahneköppen der Ursprung in den Tiefen der Zeit. Erntebrauch, Reinigungsopfer oder Hochzeitssitte sind drei mögliche Ansätze. Seit dem 16. Jahrhundert ist das "Hahnenschlagen" als Kirmesvergnügen belegt.

Vereine Der Brauch des Hahneköppens findet sich nicht nur in Solingen und der umgebenden Region wie bespielsweise in Haan oder auch Remscheid, sondern auch im Kölnischen und in der Eifel. Rund zehn Hahneköppervereine gibt es allein in Solingen. 1986 waren es noch 22.

Umstrittenes Volksvergnügen Beim Hahneköppen wird ein toter Hahn kopfüber in einen Korb gesteckt. Kopf und Hals hängen dabei durch ein Loch im Korbboden heraus. Der Korb wird aufgehängt, und nun versuchen die Vereinsmitglieder mit verbundenen Augen den Kopf mit einem Säbel oder Degen abzuschlagen. Wer dabei das glücklichste Händchen hat, wird Hahneköpperkönig und regiert den Verein bis zum nächsten Hahneköpperfest im nächsten Jahr. Tierschützer protestieren gegen diesen Brauch.