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Dürre in NRW: Was bedeutet das extreme Wetter für Bauern?

Dürre in NRW: Was bedeutet das extreme Wetter für Bauern?

Olaf Schnee ist Landwirt in Dormagen. Die Dürre macht ihm zu schaffen — und es ist nicht das erste schwere Jahr.

Dormagen. Er ist durch. Wochen, in denen er um 6.30 Uhr in den Stall gegangen ist und abends bis zum Einbruch der Dunkelheit auf dem Mähdrescher gesessen hat, sind vorbei. Olaf Schnee ist durch. Der Landwirt aus Dormagen hat die Getreideernte eingebracht. Und sie war gar nicht mal schlecht. Die harten Zeiten werden für den 46-Jährigen noch folgen: Wenn die Dürre in NRW anhält, wird der Ertrag bei den Zuckerrüben einbrechen. Auf seinen Wiesen Heu für die Pferde zu schneiden, kann er sowieso schon abhaken. Damit hat er kaum Futtervorräte für den Winter.

Foto: Juliane Kinast/dpa

Am Rande des Dörfchens Straberg baut Schnee auf 90 Hektar Weizen, Gerste, Winterhafer, Raps und Zuckerrüben an, hat zudem Grünland, auf dem die Pensionspferde weiden oder Heu für sie wächst. In den vergangenen Wochen haben seine Lebensgefährtin und sein Sohn Jonas (17) allein die abendliche Stallarbeit erledigt. Er selbst hat im Akkord gedroschen. „Dieses Jahr war extrem“, bilanziert er. „ Ich habe das noch nie erlebt: alles so schnell reif, so früh geerntet.“ Für gewöhnlich sei es erst Anfang August so weit. Und dann mit bangem Blick zum Himmel, ob der Regen kommt und alles ruiniert. „Das war dieses Jahr natürlich nicht so.“

Olaf Schnee, Landwirt

Aber: Die „Sommerungen“ vertrocknen jetzt, erklärt Schnee — alles, was im Frühjahr gesät wird und über den Sommer reift. „Das leidet alles ohne Ende. Die Kartoffel- und Möhrenbauern sind nur noch am Beregnen“, erklärt Schnee. „Die Rüben liegen platt am Boden. Der Mais ist zum Teil gerade mal 1,50 Meter hoch — sonst wächst er bis auf über drei Meter. Da fehlen 50 Prozent Ertrag.“ Und dann ist da die nach dem ersten Heuschnitt im Frühjahr halbleere Schneune, die er eigentlich für den Winter füllen müsste. „Einen zweiten Schnitt wird es nicht geben.“

Schon jetzt sieht das, auf dem die Tiere da weiden, eher nach Heu aus als nach frischem Gras. Und Olaf Schnee weiß: Wie ihm geht es vielen anderen Stallbesitzern; wenn er im Winter dann bei Heuproduzenten anfragt, reiben die sich ihre Hände und fragen: Was zahlst du denn? „Das Problem ist: Sind die Preise einmal oben, gehen sie ja nicht wieder runter. Auch in guten Jahren nicht. Alles wird teurer — aber wohin gebe ich als Erzeuger diese Kosten denn ab?“, fragt der Landwirt.

Schon seit Vater und dessen Vater waren Bauern in Dormagen. Früher lag der Hof mitten im Ort. „Das war damals so“, erklärt der 46-Jährige. „Die Kirche, die Kneipe und der Hof waren da — der Rest ist drumherum entstanden.“ 1977 kaufte sein Vater dann Land außerhalb des Dorfes und baute den Hof auf einem Acker — inzwischen ist er 87 Jahre alt, seine Frau (79) hilft noch immer jeden Tag im Stall.

Olaf Schnee hat den Betrieb 1996 übernommen. „Ich möchte nichts anderes tun“, sagt er. Aber einfacher ist der Knochenjob nicht geworden. „Es ist so viel Politik drin heute“, sagt der Landwirt. „Und man muss immer die Börse beobachten.“ Denn in Zeiten des internationalen Preiskampfes kann es sich rechnen, Getreide einzulagern und erst zu einem Zeitpunkt mit ordentlichen Preisen abzustoßen. Olaf Schnee hat sein Aktienportfolio sozusagen im Silo. „Du bist ein richtiges Wirtschaftsunternehmen. Man hat ohne Ende Bürokram.“Aber etwa bei den Zuckerrüben hat sich der Preis über die vergangenen Jahre einfach halbiert und kommt nicht mehr hoch.

Vor genau fünf Jahren stimmte der Preis noch. Das wird sich der Bauer immer merken können. Denn 2013 war auch das Jahr, als diese Rückenschmerzen bei ihm anfingen, die immer ärger wurden und sich als Krebs herausstellten. Monatelang ging es für ihn von Klinik, zu Klinik, Chemo zu Chemo, dann in die Reha. Während ein Lohnunternehmer und ein lieber Freund seine Felder, die Lebensgrundlage seiner gesamten Familie, bestellten. „Zum Glück war es das letzte richtig gute Jahr für Ackerbau.“ Zum Glück. Schließlich bekommt ein Bauer sein Gehalt sozusagen nur fünf, sechs Mal im Jahr nach der jeweiligen Ernte — damit muss er dann haushalten und darf sich eine Nullrunde nicht erlauben.

Seit jenem Jahr 2013 verfallen nicht nur die Preise, das Wetter spielt auch mehr und mehr verrückt. Nicht nur in diesem Jahr. 2017 war es früher im Jahr sehr trocken, berichtet Schnee, damals war der erste Heuschnitt nichts und der Ertrag beim Getreide brach um 30 Prozent ein. Und wenn es in einem Jahr keine Dürre gebe, dann sintflutartige Regenfälle und Unwetter. „Das Gleichgewicht ist raus“, meint der Landwirt.

Trotzdem hat er sich ein bisschen gefreut, als sein Sohn verkündet hat, den Betrieb übernehmen zu wollen. Der 17-Jährige solle schließlich tun, was ihm Spaß macht. Nur ein zweites Standbein, eine andere Ausbildung zur Sicherheit, empfehle er ihm. Olaf Schnee wischt sich den Schweiß von der Stirn und blinzelt in die glühend heiße Sommersonne. Letztlich werde es Bauern immer geben. So oder so. „Essen müssen die Menschen“, sagt er und lächelt.