1. Panorama

Dominique Görlitz : Ohne Segelschein auf große Fahrt

Dominique Görlitz : Ohne Segelschein auf große Fahrt

In einem Boot aus Schilf will Dominique Görlitz am Mittwoch von New York über den Atlantik segeln. Nach etwa zwei Monaten will der Biologielehrer auf Teneriffa landen.

<

p class="text"><strong>New York. Vor der Abfahrt seines nachgebauten Steinzeit-Bootes ist Dominique Görlitz bester Laune: "Ich bin im positivsten Sinne aufgeregt. Angst habe ich keine." Am Mittwoch will der Biologielehrer mit seinem Schilfboot "Abora 3" in New York starten und in etwa zwei Monaten auf Teneriffa landen. Der 40-Jährige hat keinen Segelschein, "aber viel Erfahrung". Bordmechaniker Michael Polzin gibt hingegen zu: "Ein Rest an Sorge bleibt. Jeder hier hat sie."

Mit der gewagten Atlantik-Überquerung will Görlitz beweisen, was Fachleute bislang für unmöglich halten: Dass die Menschen der Steinzeit vor 14 000 Jahren bereits Seehandel über den Atlantik hinweg betrieben. Der Chemnitzer glaubt außerdem, auf steinzeitlichen Höhlenmalereien in Spanien und Frankreich Hinweise auf eine transatlantische Handelsroute gefunden zu haben.

Der Expeditionsleiter reist mit einem bunten elfköpfigen Team: unter anderem der Segellehrer Polzin, der Unternehmensberater Michael Grünert, ein Ingenieur, ein Makler und zwei Studenten. 60 Quadratmeter Segelfläche müssen reichen, um ihr Schiff voranzubringen, einen Motor gibt es nicht. Grünert macht sich Mut: "Das Boot ist fest geknüpft, es kann weder auseinanderbrechen noch kentern."

Seine größte Sorge ist nicht die Zuladung (das Schilf saugt sich mit 50 Tonnen Wasser voll, obendrauf werden zwei Tonnen Trinkwasser und eine halbe Tonne Proviant geladen), sondern ein Zusammenprall: "Moderne Containerschiffe sind riesengroß, die sehen uns nicht auf ihrem Radar." Dem steinzeitlichen Look zum Trotz ist aber auch die "Abora 3" mit moderner Funk- und Navigationstechnik ausgerüstet.

Das große Vorbild von Görlitz ist der norwegische Schiffsarchäologe Thor Heyerdahl, der 1970 mit dem Papyrusboot "Ra II" nach Amerika segelte. Er ließ sich dabei vom Wind treiben. Der Rückweg war ihm versperrt: Denn auf dem Kurs nach Europa muss gegen die Windrichtung gekreuzt werden, was Fachleute den Steinzeitseglern nicht zutrauen.

Der Kapitän Dominique Görlitz (40) ist Biologie- und Sportlehrer in Chemnitz. Seit 1997 baut er an steinzeitlichen Booten.

Das Boot Die "Abora 3" ist zwölf Meter lang, vier Meter breit und zwei Meter hoch. Sie besteht aus 17 Tonnen Schilf, die eine bolivianische Indianerfamilie am Titicacasee mit mehreren Kilometern Seil zusammengebunden hat. Es wurde kein einziger Nagel verwendet.