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Die Städte und ihre Not mit den Wildgänsen

Die Städte und ihre Not mit den Wildgänsen

Die wachsende Population sorgt für Probleme mit dem Kot und verdrängt andere Arten.

Düsseldorf/Köln. Sie watscheln über Straßen, durch Parks und über Verkehrsinseln, zu Dutzenden und in aller Seelenruhe. Dabei hinterlassen Hunderte von Wildgänsen in nordrhein-westfälischen Städten ihre oft stinkenden und ätzenden Spuren. Mehrere Kommunen beklagen, dass die Tiere viel Kot hinterlassen, andere Arten verdrängen oder sogar den Verkehr behindern. Was tun? Ein Überblick.

Graugänse, Nilgänse und Kanadagänse lieben die Kulturlandschaft in Großstädten: Grüne Wiesen und Wasser. Der einzige Feind ist der Fuchs, der kommt aber nur selten in die Stadt. Die Arten konnten sich daher ausbreiten. Graugänse wurden nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu vor einigen Jahrzehnten wieder in Deutschland angesiedelt, nachdem sie zuvor ausgerottet waren. Kanada- und Nilgänse sind hierzulande hingegen eigentlich nicht heimisch. Privatleute halten sie, auch Zoos.

Die Gänse lassen ihre Federn und vor allem ihren Kot in den Parks zurück. Das ist nicht nur optisch unschön, sondern bedeutet auch großen Reinigungsaufwand. „Durch die zunehmende Verkotung auch der Gewässer geraten diese aus dem ökologischen Gleichgewicht und drohen zu kippen“, teilt eine Sprecherin der Stadt Dortmund mit. In Düsseldorf machen sich die Gänse nach Angaben der Stadt mitunter auch auf den Straßen breit. Auch würden immer mehr andere Arten durch die Gänse zurückgedrängt, sagt die Dortmunder Stadtsprecherin.

„Das ist tatsächlich bei uns ein Problem, das ständig wächst“, sagt Manfred Kaune vom Grünflächenamt der Stadt Köln. Der Vingster See, betrieben von den Kölner Bädern, sei einer der größten Problemfälle. „Da haben die Pächter dann gefragt: Können wir die nicht schießen?“, sagt Kaune. Selbst das Gesundheitsamt habe gefordert, Maßnahmen zu ergreifen. In der Düsseldorfer Innenstadt ist der Vogelkot besonders auf Liegewiesen, Wasserspielanlagen und Spielplätzen ein Problem.

Dortmund schlägt sich nach eigenen Angaben mit dem Problem bereits seit etwa fünf Jahren herum. Betroffen seien vor allem Parkanlagen wie der Fredenbaumpark, das Gelände am Phoenix-See oder der Westfalenpark. „Auch die Kosten für das Reinigen der betroffenen Flächen sind hoch und steigend“, erklärt eine Sprecherin.

Radikal, aber denkbar: Abschuss. Allerdings nur theoretisch. „In Großstädten darf nicht geschossen werden — zumindest nicht ohne Sondergenehmigung“, sagt Andreas Schneider vom Jagdverband NRW. Nur an manchen Baggerseen im außerstädtischen Bereich sei die Jagd auf Gänse möglich. Eine Lösung ist der Abschuss nach Ansicht des Nabu aber nicht.

Die harmloseste Lösung ist nach Ansicht von Feige, die Eier der Gänse zu schütteln. Sie gehen dann kaputt. Eier zu klauen oder zu zertreten, bringe dagegen nichts, denn die Gans lege neue. In Dortmund und Düsseldorf steht das trotzdem auf dem Plan. Eine weitere Möglichkeit ist laut Nabu, die Flächen unattraktiver zu machen. „Gänse lieben frische Grasspitzen“, sagt Feige. Lange Halme oder Blumenwiesen gehörten dagegen nicht zu ihrem Menü. Viele Städte wollen zudem die Fütterung durch den Menschen weiter eindämmen.

Eine weitere Methode ist tierische Konkurrenz. Höckerschwäne zum Beispiel sind absolut keine Gänse-Freunde. „In Köln setzt man auf Hunde. Am Vingster See sollen die Tiere für die Jagd ausgebildet werden, auch im Wasser. Das soll die Gänse abschrecken.