Die Masern breiten sich aus

Die Masern breiten sich aus

In diesem Jahr gibt es bereits rund 100 Fälle in NRW. Fachleute raten dringend zu einer Impfung.

Düsseldorf. Fieber, Schnupfen und Hautausschlag - das sind die Symptome einer Masernerkrankung. Doch was sich anhört wie eine harmlose Kinderkrankheit, ist in Wirklichkeit eine der gefährlichsten und ansteckensten Krankheiten überhaupt.

"Masern sind höchst gefährlich, sie können von der Mittelohrentzündung bis zur Lungenentzündung zahlreiche schwere Nebenwirkungen auslösen", sagt Josef Kahl, Sprecher der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein. Besonders gefährlich sind die Spätfolgen: In einem von 5.000 Fällen tritt nach der Erkrankung die Gehirnentzündung SSPE (Subakute sklerosierende Panenzephalitis) auf, die schwerste Schäden verursacht und immer tödlich endet.

Umso bedenklicher, dass Masern in NRW auf dem Vormarsch sind. Das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit in Münster zählte seit Anfang des Jahres rund 100 Fälle. Im gesamten vergangenen Jahr wurden nur 76 Infektionen registriert. Schwerpunkte sind die Stadt Essen und der Kreis Mettmann.

Bundesweit sind es rund 220 Fälle. Josef Kahl: "Die Krankheitsfälle treten in Schulen auf, wo es vermehrt Kinder von Eltern gibt, die eine Impfungen ablehnen, weil sie die Nebenwirkungen fürchten." Doch zur Impfung gebe es keine Alternative, sagt der Mediziner: "Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, ist eine Behandlung mit Medikamenten nicht möglich, weil Masern durch einen Virus ausgelöst werden."

Eine Impfung ist aber auch deswegen so wichtig, weil Masern hochansteckend sind. Das nationale Referenzzentrum für Masern, Mumps und Röteln, das am Robert-Koch-Institut angegliedert ist, beobachtet seit 2001, wie sich sogenannte Infektketten ausbreiten. Leiterin Annette Mankertz: "Anhand von Proben konnten wir nachweisen, dass ein Virus aus Hamburg für einen Masernausbruch in Bulgarien verantwortlich ist, bei dem bisher 18 Menschen gestorben sind."

Auch in NRW gab es in der jüngeren Vergangenheit einen schweren Masernausbruch: 2006 erkrankten 1.700 Menschen, viele mussten im Krankenhaus behandelt werden, zwei Kinder starben. Ende 2009 wurde ein weiterer Todesfall bekannt: Ein Kind, das sich damals als Säugling angesteckt hatte, starb an der gefürchteten Gehirnentzündung SSPE.

"Das ist eine schlimme Sache. Sie können ihrem Kind dann nur noch beim Sterben zusehen", sagt Annette Mankertz. Ob die aktuellen Masernfälle ein ähnliches Ausmaß wie 2006 auslösen werden, lasse sich nicht voraussagen. Mankertz: "Das Potenzial ist auf jeden Fall da."

Und dabei sollten Masern in Europa längst der Vergangenheit angehören: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte sich auf die Fahnen geschrieben, Masern bis 2010 zu eliminieren. Doch dazu bräuchte es eine Impfquote von 95 Prozent.

Doch in Deutschland ist es mit der Impfmoral nicht weit her: Bei der ersten Impfung beträgt die Quote zwar 95,9 Prozent, den zweiten Termin lassen viele Eltern verstreichen: Die Quote liegt gerade mal bei 89 Prozent. In NRW sind es bei der ersten Impfung immerhin 97,1 Prozent und bei der zweiten 91,1 Prozent. "Das sind nur die geimpften Schulanfänger. Es gibt viele Jugendliche und junge Erwachsene, die nie geimpft worden sind, und jetzt zu einem Risiko werden", so Mankertz.