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Die Jacksons gegen Murray

Die Jacksons gegen Murray

Ab Dienstag steht der ehemalige Leibarzt des „King of Pop“ vor Gericht. Er hat die Fans und Michael Jacksons Familie gegen sich.

Washington. Hat ihm sein Leibarzt eine Überdosis des Narkosemittels Propofol verabreicht, oder wählte der legendäre Entertainer Michael Jackson womöglich den Freitod? Über diese Frage werden zwölf Geschworene entscheiden müssen, wenn am Dienstag der mit Spannung erwartete Strafprozess gegen Jacksons Kardiologen Conrad Murray beginnt.

Im Juni 2009 wurde der „König der Popmusik“ in seiner Luxusvilla in Hollywood tot aufgefunden. Gerichtsmediziner stellten im Blut eine außergewöhnlich hohe Konzentration des starken Betäubungsmittels fest, das nur für den Gebrauch in Krankenhäusern zugelassen ist. Murray wusch seine Hände in Unschuld: Jacko, der seit Jahren über Schlaflosigkeit geklagt hatte, habe seinen Ratschlägen getrotzt und darauf bestanden, das Medikament, das er seine „Milch“ nannte, als Schlafmittel zu verwenden.

Anders sieht es die Familie des Superstars, die seit seinem Tod unermüdlich auf ein Strafverfahren gegen Murray drängt. Der Jackson Klan ist fest überzeugt, der Facharzt habe gewusst, wie es um die Risiken von Propofol bestellt ist und Michael das Betäubungsmittel trotzdem regelmäßig verabreicht. Im Februar erhob die Staatsanwaltschaft von Los Angeles Klage gegen den Kardiologen. Der Prozessbeginn wurde mehrmals verschoben.

Schwierig gestaltete sich angesichts des Bekanntheitsgrads des „King of Pop“ die Auswahl von zwölf Geschworenen, die nicht voreingenommen waren. Jeder Kandidat musste zunächst einen 30-seitigen Fragebogen ausfüllen. Erst am Freitag verständigten sich Staatsanwälte und Verteidiger auf das letzte Jurymitglied.

Wie Brian Oxman, der Rechtsanwalt der Jackson Familie sagte, sei Murrays Handeln zu vergleichen „mit einer Person, die auf einen vollbesetzten Zug Schüsse abfeuert“. Laut Oxman sei die Anklage wegen fahrlässiger Tötung „kaum mehr als eine Rüge, was dieser Mann gemacht hat, ist in Wirklichkeit viel schlimmer.“

Eine riskante Strategie hingegen verfolgen Murrays Verteidiger. Sie wollen die Geschworenen davon überzeugen, dass Jacko dem Stress seines bevorstehenden Comebacks nicht gewachsen war und deswegen Selbstmord beging. Nach seinem tragischen Tod an dem Denkmal Michael Jackson zu rütteln könnte aber einen Bumerang-Effekt entfalten, sagen die meisten Experten, die fest mit einem Schuldspruch rechnen.