Die Entdeckung der Weiblichkeit

Feminine Mode : Die Entdeckung der Weiblichkeit

Viele Jahre waren Jeans und lässige Pullover oder T-Shirts das Nonplusultra. Kleidung sollte vor allem bequem sein, im besten Fall auch noch praktisch. Doch seit einigen Jahren wünschen sich immer mehr Frauen feminine Mode, die ihre Weiblichkeit wieder unterstreicht.

Eine der wichtigsten Bewegungen des 20. Jahrhunderts war der Kampf der Frauen für gesellschaftliche und rechtliche Emanzipation. In den 1920er-Jahren begann die Frauen, Hosen zu tragen – und sie befreiten sich vom Korsett. Buchstäblich. Allen voran Marlene Dietrich. Sie wurde zu einer Ikone für eine ganze Generation. Diese Frauen haben einen neuen Weg beschritten, der allerdings erst am Anfang stand. Die feminine Mode spielte dabei seit jeher eine bedeutende Rolle. Mode ist stets am Puls der Zeit und spiegelt gesellschaftliche Veränderungen wider. Der Minirock war in den 1960er-Jahren das Sinnbild für die sexuelle Befreiung der Frau. Heute sind Frauen in Hosenanzügen kein Skandal, sondern Alltag. Der aktuelle Boyfriend-Style verschiebt sogar die Geschlechtergrenzen. Feminine Mode besteht neben burschikosen Looks. Erlaubt ist, was gefällt.

Doch was genau ist eigentlich feminine Mode? Bezeichnet werden so vor allem Modelle, die die Weiblichkeit unterstreichen. Und damit ist insbesondere die Figur gemeint. Röcke und Kleider sind die femininen Mode schlechthin. Blusen, insbesondere mit zarten Mustern oder Rüschen, sind zugleich verspielt, sexy und feminin. Doch auch perfekt sitzende Hosen und Hosenanzüge können weibliche Kurven gut in Szene setzen. Feine Seide, statt fester Baumwolle, figurbetonte Schnitte, statt Lässiglook, blumige und kleine Muster, statt grafischer Blockstreifen und ruhig einmal Farbe, statt schwarz, weiß und grau.

Für viele Frauen, die jahrelang entweder sehr männlich orientierte Business-Kleidung getragen oder einen sehr sportlichen Look gepflegt haben, ist es gar nicht so einfach, herauszufinden, mit welchen Modellen sie ihre Weiblichkeit unterstreichen können. Denn auch feminine Mode will gelernt sein. Denn natürlich kommt es auch auf die Figur an. Frauen mit Kurven können durchaus figurbetonte (nicht enge!) Kleidung tragen, die eben diese Kurven in Szene setzen. Bei dünnen Frauen hingegen wirkt figurbetonte Mode schnell kindlich. Für sie sind fließende, etwas weitere Modelle besser geeignet, zum Beispiel Kleider und Röcke in A-Linie.

Die oberste Regel für feminine Mode: Nichts tragen, was die eigenen Formen versteckt. Eine weitere Regel: Jedes Outfit hat nur ein sexy Attribut. Entweder ein tieferer Ausschnitt oder ein kürzerer Rock oder High Heels. Tiefer Ausschnitt und kurzer Rock kombiniert wirken schnell billig, hochgeschlossen mit Ärmeln und kurzer Rock hingegen wirken elegant. Wichtig ist vor allem, dass feminine Mode gut sitzt. Blazer zum Beispiel sollten mit der Ärmelnaht bündig an der Schulter abschließen, leicht tailliert sein und sich im Zweifel immer schließen lassen, auch wenn man sie offen trägt. Frauen mit breiter Schulterpartie sollten auf Schulterpolster verzichten.

Für sie gilt es bei femininer Mode auch in Sachen Kleidern einiges zu beachten. Empire-Kleider mit Puffärmeln oder Carmen-Ausschnitte betonen starke Schultern. Auch trägerlose Abendkleider sind unvorteilhaft. Besser: oben schmal und unten weit. Für Frauen mit kräftigen Hüften gilt das Gegenteil: Schmalgeschnittene Etuikleider sind tabu, ebenso wie Stretchmaterialien und zu viel Glitzer sowie Rüschen und Volants rund um die Hüfte. Lieber den Oberkörper durch auffällige Muster betonen und so einen Ausgleich schaffen. Übrigens: viele Onlineshops bieten heute die Möglichkeit, sich über die verschiedenen Figurtypen zu informieren und so den idealen Look zu finden.

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