Deutschlands älteste Tankstelle: Die Zapfsäulen mit Charme

Deutschlands älteste Tankstelle: Die Zapfsäulen mit Charme

Die älteste Tankstelle Deutschlands wurde 1924 eröffnet. Sie steht in Essen.

Essen. Die älteste Tankstelle Deutschlands bedient fast nur Stammkunden. Das ist nicht verwunderlich. Die Einfahrt zu dem kleinen Hinterhof in der beschaulichen Gemarkenstraße in Essen-Holsterhausen ist leicht zu übersehen. Auf einem verstaubten, alten Banner über der Einfahrt sind die Worte „Älteste Tankstelle Deutschlands mit Vollservice“ kaum lesbar.

Die Preistafel hängt unscheinbar an einer Wand in der Einfahrt. Eine digitale Anzeige gibt es nicht. Die Zahlen müssen noch von Hand ausgetauscht werden. 1,73 Euro kostet am Mittwoch der Liter Super. „Wir sind immer teurer als Selbstbedingungs-Konkurrenz“, sagt Betreiber Manfred Caspar-Milz nicht ohne Stolz. Weil er mehr biete, könne er einen höheren Preis verlangen. „Ich putze die Scheiben, messe den Luftdruck oder teste die Batterien.“

1924 wurde die Tankstelle eröffnet. Damals gab es den Rundum-Service. „Heute müssen sich die Menschen meistens selbst bedienen“, sagt Manfred Caspar-Milz wehmütig. Das ist bei ihm anders, die Kunden fahren traditionell rückwärts an die Zapfsäulen. Der Tankwart übernimmt den Rest. Ob die Zapfsäulen manchmal angefahren werden? „Aber sicher“, antwortet er und lacht.

Als freie Tankstelle macht Caspar-Milz seine Preise selbst. „Wenn ich die Preise um drei Cent anheben will, tue ich das einfach“, sagt er. Während Pächter etwa 0,6 Cent pro Liter verdienen, nimmt er zwei bis drei Cent ein. Reich geworden sei er mit dem Geschäft aber nicht. „Die Aral um die Ecke verkauft in einem Monat so viel Sprit wie ich in einem Jahr.“ Deshalb führt er auch noch einen Getränkehandel auf dem Grundstück. Schaut man in die Werkstatt, steht neben einem VW Polo, der gerade gereinigt wird, kistenweise Mineralwasser. „So eine Tankstelle geht nicht ohne Zusatzgeschäft“, erklärt Caspar-Milz.

So lange wie möglich will er die Tankstelle betreiben, aber „wenn ich hier weg bin, ist es vorbei“, sagt er. Freuen würde er sich schon, wenn jemand den Betrieb weiterführen würde, aber „es rentiert sich einfach nicht. Den Betrieb, den wir jetzt haben, braucht einfach kein Mensch.“ Da sieht der Tankwart schwarz: „Heute würde ich schreiend vom Hof laufen, wenn mir jemand die Tankstelle anbieten würde“, sagt er. Warum er das nie getan hat? „Wenn man was gut findet, bleibt man dabei.“

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