Wirksamkeit nicht bestätigt Deutschland deckt sich mit Hilfsmedikament Avigan für Corona ein

Berlin · In der Corona-Krise deckt sich Deutschland kurzfristig in großem Stil mit einem Präparat ein, das hilfsweise gegen die Lungenerkrankung Covid-19 zum Einsatz kommen soll.

 Avigan-Tabletten (generischer Name Favipiravir)

Avigan-Tabletten (generischer Name Favipiravir)

Foto: dpa/Kimimasa Mayama

Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag berichtete, geht es um die antivirale Grippetablette Avigan, die nach Erfahrungen in Asien Hoffnungen weckt, sowie um andere Präparate. Verantwortlich sei das Bundesgesundheitsministerium.

Avigan ist laut dem Bericht in Japan für die Anwendung gegen Corona begrenzt zugelassen und verhindert normalerweise, dass sich ein Grippevirus im Körper repliziert. Die Regierung in China teilte zuletzt mit, dass aus Wuhan, von wo aus sich das Virus ausgebreitet hatte, vielversprechende klinische Studien vorlägen.

Wie das Ministerium auf "FAZ"-Anfrage bestätigte, wird die Beschaffung von Avigan zum Einsatz in der Behandlung schwerwiegender Verläufe Covid-19-infizierter Patienten eingeleitet. Das gelte ebenso für die Medikamente Kaletra, Foipan sowie chloroquin- und hydroxychloroquinhaltige Arzneimittel.

"Die beschafften Arzneimittel werden über Apotheken von Universitätskliniken sowie Apotheken der Behandlungszentren für die stationäre Versorgung betroffener Patientinnen und Patienten verteilt", teilte ein Ministeriumssprecher mit. Beim Verteilen solle mit der Bundeswehr zusammengearbeitet werden. Nach "FAZ"-Informationen aus Behördenkreisen soll es sich um Millionen Packungen handeln.

Avigan kommt dem Bericht zufolge aus der Pharmasparte der Fujifilm Holding in Japan. Das Medikament wurde demnach als Generikum unter dem Namen Favipiravir an China lizenziert. Noch bevor Tests auch nur ansatzweise abgeschlossen seien, setzen viele auf Avigan, berichtete die "FAZ". Japan habe zwei Millionen Packungen eingelagert.

Ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn teilte auf Anfrage der Zeitung mit, dass sich aktuell zu keinem der genannten Arzneimittel Aussagen zu dessen Wirksamkeit bei Covid-19 treffen ließen. Die Ergebnisse laufender klinischer Prüfungen blieben abzuwarten.

(AFP)
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