Versorgungslage in der Corona-Krise „Derzeit funktioniert alles reibungslos“

Berlin · Lebensmittelverbands-Experte Christoph Minhoff sieht keine Probleme bei der Versorgung. Wir sprachen mit ihm über die Lage in Zeiten der Corona-Krise.

 Derzeit sind die Lager gut gefüllt, sagt Lebensmittel-Experte Christoph Minhoff.

Derzeit sind die Lager gut gefüllt, sagt Lebensmittel-Experte Christoph Minhoff.

Foto: © Matthias Martin/Matthias Martin

Wer in diesen Tagen in den Supermarkt einkaufen geht, steht teilweise vor leeren Regalen. Allein in der vergangenen Woche hat der Lebensmittelhandel ein Umsatzplus von 14 Prozent gemacht. Über die Versorgungslage in Zeiten der Corona-Krise sprach diese Zeitung mit dem Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschland, Christoph Minhoff.

Herr Minhoff, das Coronavirus lässt die Kassen in Ihrer Branche klingeln. Freut Sie das?

Christoph Minhoff: Nein, ganz und gar nicht. Wir sorgen uns genauso um die Gesundheit unserer Kunden. Zudem kaufen die Menschen ja auf Vorrat. Es ist davon auszugehen, dass die Kunden die Einkäufe dann auch aufbrauchen werden. Angesichts der Fernsehbilder aus anderen Ländern denken vielleicht viele darüber nach, wie ernähre ich mich in den nächsten zwei Wochen. Das ist ja noch kein irrationales Verhalten.

Wann wird es denn irrational?

Minhoff: Wenn ich mich nicht für zwei Wochen, sondern für zwei Jahre bevorrate. Das ist natürlich Unsinn. Das schafft erst leere Regale.

Muss man sich trotzdem auf größere Engpässe einstellen?

Minhoff: Derzeit sind die Lager gut gefüllt. Die Herausforderung könnte darin bestehen, dass weiterhin genügend Fahrer für den Transport zur Verfügung stehen. Die Transportbranche ist von dem Virus ja genauso betroffen wie alle anderen Wirtschaftszweige mit viel Personal. Aber derzeit funktioniert alles reibungslos.

Auch die Lebensmittelhersteller haben viel Personal. Wie sieht es dort aus?

Minhoff: Die Lebensmittelherstellung unterliegt besonders hohen Hygiene-Vorschriften. Von daher ist die jetzige Situation nicht ungewohnt. Wenige wissen auch, dass 95 Prozent der Hersteller klein- und mittelständische Betriebe sind. Die Last ist also auf viele verteilt und das hilft. Würde jemand ausfallen, könnten andere einspringen. Das ist ein großer Vorteil bei der Sicherstellung der Grundversorgung.

Bei Klopapier und Nudelprodukten scheinen die Engpässe am größten zu sein. Wie erklären Sie sich das?

Minhoff: Bei Klopapier ist mir das auch ein Rätsel. Was die Nudelprodukte angeht: Die Menschen suchen derzeit nach haltbaren und leicht zu verarbeitenden Lebensmitteln. Wir wissen seit Jahren, dass die Kochkompetenz der Deutschen erheblich gesunken ist. Viel zu viele sind nicht mehr in der Lage, sich aus vier oder fünf Komponenten eine vernünftige Mahlzeit selber zuzubereiten. Nudeln kochen dagegen kann praktisch jeder. Außerdem spielt die Essensversorgung durch die Gastronomie eine sehr große Rolle.

Was meinen Sie damit?

Minhoff: Will sagen, wenn jetzt Restaurants virusbedingt schließen, dann greifen auch deshalb viele zu Lebensmitteln, mit denen sie daheim gerade noch so umgehen können. Umso mehr, wenn sie lange haltbar sind und eine hohen Sättigungseffekt haben. Insofern ist der Ansturm auf Pasta, Fertigpizza und Co. nachvollziehbar.

Welchen Einfluss haben die Grenzschließungen auf die Versorgungslage?

Minhoff: Da haben wir noch keine näheren Erkenntnisse. Diese Maßnahme ist ja erst seit kurzem in Kraft. Die Politik will aber ausschließen, dass grenzüberschreitende Versorgungsketten unterbrochen werden.

Was würden Sie denn den ganzen Hamsterkäufern jetzt raten?

Minhoff: Ich würde ihre Sorgen ernst nehmen, aber dringend darauf hinweisen, dass die Geschäfte weiter geöffnet haben werden und genügend Lebensmittel angeboten werden. Ganz nebenbei: Eine ausgewogene Ernährung ist gerade in gesundheitlichen Krisenzeiten wichtig, und die besteht nicht aus zwei Monaten Spaghetti mit Tomatensoße.

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