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Der Herr der Gummibärchen

Der Herr der Gummibärchen

„Mr. Haribo“ Hans Riegel wird am Sonntag 90 Jahre alt. Er gilt als ebenso eigensinnig wie erfolgreich.

Bonn. Der kleine Goldbär ist sein Lebenswerk. Seit rekordverdächtigen 67 Jahren lenkt Hans Riegel den Fruchtgummi-Riesen Haribo. Dabei gilt der Firmen-Patriarch als ebenso eigensinnig wie erfolgreich.

Am Sonntag feiert „Mr. Haribo“ seinen 90. Geburtstag. Seit Jahrzehnten steht sein Chefsessel am Firmenstammsitz, Hans-Riegel-Straße 1, in Bonn-Kessenich — direkt an der Produktion im alten Backsteinbau. „Ich bin fast täglich im Büro“, sagt Riegel.

Der Rheinländer gehört zu den seltenen Urgesteinen in Deutschland, die ein traditionelles Familienunternehmen auch in stürmischeren Zeiten auf Kurs zu halten wissen. Mit ihm am Steuer wurde der väterliche Hinterhofbetrieb zu einem globalen Konzern. Die Gummibärchen sind weltweit ein Aushängeschild und Markenjuwel.

Tiefe Einblicke in das Unternehmen hat Riegel nie gewährt. Um Geschäftszahlen und Gewinn pflegte er stets ein Geheimnis, ebenso wie um sein Privatleben. „Ich war nie ein Mensch, der den großen Auftritt sucht“, erklärt Riegel.

Wohl aber einer, der gern den Überblick behält: Seinen Hubschrauber steuert er noch selbst, auch wenn seit Jahren aus Sicherheitsgründen ein weiterer Pilot mitfliegt. Fit hält sich Riegel auf einem Crosstrainer.

Dem Seniorchef wird nachgesagt, er herrsche in seinem Imperium als eine Art „Fürst“. Nach dem Tod seines jüngeren Bruders und Firmen-Mitteilhabers Paul im Jahr 2009 wurde ein halber Generationswechsel vollzogen. Damit ist auf dem Papier geregelt, was aus Haribo werden soll, wenn der kinderlose Hans Riegel einmal nicht mehr an Bord ist.

Der Vollblutunternehmer verständigte sich nach einigem Gezerre mit den Erben von Paul, der vier Kinder hat, auf eine Teilung der Macht. Seit September 2010 führt er Haribo in einer neuen Eigentümer- und Holdingstruktur gemeinsam mit den zwei Neffen Hans Arndt Riegel und Hans Guido Riegel. „Somit ist auch die Zukunft von Haribo als Familienunternehmen gesichert“, betont Riegel.

Den eigenen Nachlass hat Hans Riegel geregelt. Sein Anteil am Unternehmen fließt in seine Privatstiftung, die für den Fortbestand des Konzerns wirken soll. Sie ist im steuerlich attraktiven Österreich angesiedelt, der Wahlheimat Riegels, wo der passionierte Jäger ein Landgut mit Jagd in Hieflau (Steiermark) besitzt. Bereits seit 1991 hat Riegel einen österreichischen Pass.

Der am 10. März 1923 geborene Riegel übernahm das Geschäft — mit dem Geheimrezept für die Gummibärchen — zusammen mit seinem Bruder Paul kurz nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 von seinem Vater Johann, genannt Hans.

Von diesem Namen und der Bonner Heimat (HA-RI-BO) leitete sich der Firmenname ab. Der promovierte Volkswirt und Werbestratege war der „Hansdampf“ in der Doppelspitze, der aus Zucker, Gelatine, Aroma und Farbstoff immer neue Leckereien herstellte.

Heute produziert Haribo an 15 Standorten in Europa und beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter. Bis Grönland und auf die Falkland-Inseln werden Goldbärchen, Lakritz-Schnecken und Maoam-Kaubonbons geliefert. Der Umsatz liegt nach Branchenangaben bei rund zwei Milliarden Euro im Jahr.