Das Leid mit der ungeliebten Silvestereinladung

Das Leid mit der ungeliebten Silvestereinladung

Bei guten Freunden fällt eine Absage nicht leicht, denn jede Ausrede ist gefährlich. Knigge gibt Tipps.

Düsseldorf. „Nicht wieder Raclette essen und Tabu spielen, bis die Uhr endlich Mitternacht schlägt.“ Die Einladung der Freunde für Silvester liegt auf dem Tisch, aber Sabine hat diesmal partout keine Lust. Da bleibt nur: Absagen!

Was einfach klingt, kann sich zur Herausforderung auswachsen. Denn die lässige Vorlage „Bin verhindert, Lüge folgt“, die dem Schriftsteller Marcel Proust zugeschrieben wird, empfehlen Experten nicht zur Nachahmung.

Wie also in Sabines Fall ablehnen, ohne den Freunden den Eindruck zu vermitteln, sie seien Langweiler, und damit der Beziehung zu schaden? Das Dilemma aussitzen? „Bescheid geben“, meint der Deutsche Knigge-Rat, „gehört zum guten Ton.“

Da kann das Ziel nur lauten, die schlechte Nachricht so zu überbringen, dass sie für die Betroffenen „erträglich, nachvollziehbar und verzeihlich“ ist. Hans-Michael Klein von der Knigge-Gesellschaft wird deutlicher: Denken Sie sich eine Ausrede aus, die nicht wehtut — und im Zweifel einer Prüfung standhält.

Der Psychologe verweist überdies auf die persönliche Hierarchie-Liste: Wenn ein Chef ans heiße Pfännchen bittet und den letzten Abend 2012 mit seinen Angestellten verbringen möchte, ist ein „Nein“ unmöglich — sonst ist die Karriere vermasselt. Bei Bekannten, die etwas weiter unten auf der „Beliebtheitsskala“ stehen, sind jedoch auch kleine Notlügen erlaubt.

Was heißt das für Sabine? Die Freunde länger hinzuhalten für den Fall, dass sich keine Alternative zu deren Einladung ergibt, wäre respektlos. Also tapfer voran. Vielleicht mit den Worten: „Nächstes Jahr gern, aber jetzt hab’ ich schon eine Karte für die Party im Tanzhaus.“ Und dann schnell das Ticket buchen.

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