1. Panorama

Das Leben mit der Corona-Krise

Leben mit der Corona-Krise : Brötchen-Drive-In und Ampel-Botschaften

Möglichst viel körperlichen Abstand zu anderen halten und trotzdem einkaufen oder als Chor proben - einzelne Beispiele zeigen, wie das gehen kann. Auch türkische Ampeln und der Eiffelturm erinnern im Alltag daran.

BRÖTCHEN-DRIVE-IN

In einer Bäckerei und Konditorei im baden-württembergischen Weil am Rhein bekommen Kunden ihre Brötchen nun direkt ins Auto. Bäckermeister Simon Fritz hat einen Drive-in-Schalter gebaut. Von der Verkaufstheke am offenen Fenster aus werden Autoinsassen bedient, sagte Fritz. Über eine Rutsche gelangen die Waren vom Gebäude- ans Autofenster. Auch das Bezahlen ist kontaktlos möglich. Bestellen können Kunden vorab über Anruf, SMS oder WhatsApp. Das Angebot stoße auf gute Resonanz und werde fortgeführt, so Fritz. Es sei sein Weg, berührungslosen Einkauf in Zeiten des Coronavirus zu ermöglichen.

BÄNKE ABMONTIERT

Der Bürgermeister einer nordfranzösischen Gemeinde hat im Kampf gegen das Coronavirus alle Bänke abmontieren lassen. „Bei strahlendem Sonnenschein kamen die Einwohner zum Reden und nicht nur für zehn Minuten, sondern für einen guten Teil des Nachmittags. Das ist inakzeptabel“, sagte Sébastien Leprêtre, Bürgermeister von La Madeleine, der Tageszeitung „Le Parisien“ am Freitag. Die Stadtverwaltung montierte schließlich um die 40 Bänke auf Frei- und Grünflächen ab. Nicht nur, dass das Sitzen auf einer Bank derzeit nicht erlaubt sei - die Bank sei auch ein potenzieller Virusüberträger, so der Bürgermeister.

GRÜN WIE „GEH HEIM“

Eine türkische Stadt lässt Ampeln sprechen, um die Menschen während der Corona-Krise an die Selbstisolierung zu erinnern. Im Zentrum von Sakarya im Nordwesten der Türkei zeigen einige nun virusbezogene Botschaften. Bei Grün ist „Geh nach Hause“ (Eve Git) zu lesen, bei Rot „Bleib zu Hause“ (Evde Kal). Außerdem hat die Gemeinde die Ampelsignale für Sehbehinderte angepasst. Während der Rotphase ruft eine Stimme die Menschen dazu auf, beim Warten die Distanz zu wahren. Bei Grün sagt sie: „Jetzt können Sie die Straße überqueren. Bleiben Sie für Ihre Gesundheit zu Hause.“

DAILY SOAPS DREHEN WEITER

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen gehen die Dreharbeiten für die Daily Soaps „Berlin - Tag & Nacht“ und „Köln 50667“ auch in Corona-Zeiten weiter. Hierbei stehe die Gesundheit der Mitarbeiter im Mittelpunkt, sagte RTLzwei-Sprecher Martin Blickhan der Deutschen Presse-Agentur: „Ein weitestgehend kontaktloses Drehen, bei dem kontinuierlich und tagesaktuell alle Prozesse neu hinterfragt werden.“ Alle geltenden Infektionsschutzmaßnahmen würden eingehalten. Die meisten TV-Serienproduktionen in Deutschland sind wegen der Corona-Pandemie für die nächste Zeit unterbrochen worden.

CHORPROBE IM LIVE-STREAM

Der Komponist Dieter Falk hat eine digitale Chorprobe mit rund 25 000 Teilnehmern geleitet. „Ein bisschen ging mir schon die Düse“, berichtete der Musikproduzent am Donnerstag. Er sei besorgt gewesen, dass die Übertragung abreißen könne. Einstudiert wird das Chormusical „Bethlehem“, dessen Uraufführung am 5. Dezember in Düsseldorf im ISS Dome geplant ist. Falk hat das Stück mit Texter Michael Kunze geschrieben. Wegen der Kontaktbeschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie musste die Probe für 2500 Sänger digital organisiert werden. Tatsächlich waren am Ende zehn Mal so viele Teilnehmer dabei - Texte und Noten hatte Falk im Internet bereitgestellt. In dem über Facebook und Instagram verbreiteten Live-Stream dirigierte er und stellte Lieder und Stimmen vor.

WENIGER VERKEHRSUNFÄLLE

Das wegen der Corona-Pandemie erlassene Kontaktverbot führt nach ersten Beobachtungen von Versicherern und Polizei zu weniger Autounfällen. „Wir haben ganz offensichtlich deutlich weniger Autoverkehr“, sagte der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, der Deutschen Presse-Agentur. „Ich bin überzeugt davon, dass wir in diesem Frühjahr einen deutlichen Rückgang der Unfälle insgesamt, aber auch der Unfälle mit Personenschaden, sehen werden.“

EUROPOL WARNT VOR CYBER-KRIMINELLEN

Europol sieht eine schnelle Zunahme von Verbrechen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Kriminelle und organisierte Banden hätten ihre Methoden sehr schnell angepasst und profitierten von der Krise, warnt die europäische Polizeibehörde in einem am Freitag in Den Haag veröffentlichten Bericht. Ermittler stellten demnach zunehmend Fälle von Cybercrime, Betrug, Diebstahl und Fälschungen fest. Europol warnt auch vor Cyber-Kriminellen. Viele Menschen arbeiteten nun zu Hause und schalteten sich über weniger gut gesicherte Heimcomputer in die Netzwerke von Firmen oder Organisationen.

ELTON JOHN FÜR KLEINE PLATTENLÄDEN

Rock-Star Elton John ruft seine Fans dazu auf, unabhängige Plattenläden zu unterstützen. Seine Botschaft sendete der 73-Jährige am Donnerstagabend auf Twitter: „Ich weiß, dass es schwierige Zeiten sind, aber bitte versucht, unabhängige Plattenläden zu unterstützen. Viele von ihnen können direkt zu euch nach Hause liefern“, sagte er. „Die Leute hinter dem Tresen sind so involviert in das, was sie tun. Sie sind solche Experten, sie lieben es.“ Wenn er nicht Elton John wäre, würde er selber einen Plattenladen betreiben.

ÄRZTE SINGEN ÜBER QUARANTÄNE

Die Punkband Die Ärzte grüßt in Corona-Zeiten aus dem Homeoffice und präsentiert einen neuen Song. In dem „Lied für jetzt“, das seit Freitag bei Youtube zu hören ist und nach Bandangaben „unter Einsatz von drei gebrauchten Mobiltelefonen“ hergestellt worden sein soll, singen Farin Urlaub, Bela B und Rod González von der Langeweile in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten: „Ich sitze zuhause und langweile mich, Klopapier und Nudeln sammle ich nicht.“ Und: „Das bisschen Quarantäne ist nicht die schlimmste Sache der Welt“. Bela hält zwischenzeitlich ein Schild hoch, um auf das Schicksal Tausender Flüchtlinge im Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufmerksam zu machen.

CLUBS STREAMEN

Der tägliche Livestream mit DJ-Sets aus den wegen der Corona-Krise geschlossenen Berliner Clubs soll angesichts des Erfolges über die Hauptstadt hinaus ausgeweitet werden. Von der kommenden Woche an wollen sich auch Clubs etwa aus Hamburg, München, Leipzig, Wien oder Amsterdam an #UnitedWeStream beteiligen, wie der Sprecher der Clubcommission, Lutz Leichsenring, der dpa sagte. Nach der ersten Woche der Streams sprach Leichsenring von mehr als drei Millionen Unique Usern auf der Seite. Das Feedback sei sehr groß gewesen, es gebe Nachrichten aus der ganzen Welt. An der Geldsammlung beteiligten sich bisher knapp zehntausend Menschen, die bisher mehr als eine viertel Million Euro für die Clubs spendeten. Ein Teil davon ist auch als Flüchtlingshilfe vorgesehen.

EIFFELTURM ERSTRAHLT MIT „MERCI“

Aus Solidarität mit den Helferinnen und Helfern im Kampf gegen die Corona-Pandemie wird der Pariser Eiffelturm künftig jeden Abend in besonderem Licht erstrahlen. Ab Freitag soll immer um 20 Uhr das Wort „Merci“ an das Pariser Wahrzeichen projiziert werden, teilte die Stadt Paris am Freitag mit. Von 20.30 Uhr bis 23.00 Uhr wird der Turm die Pariserinnen und Pariser daran erinnern, zu Hause zu bleiben. Abwechselnd sollen auf dem Turm die Worte „Restez chez vous“ und „Stay at Home“ (Bleibt zu Hause) zu lesen sein. Zuletzt hatte der Eiffelturm aus Dank für das Krankenhauspersonal abends schon länger geglitzert als gewöhnlich.

(dpa)