Meinung: Darum ist die Rassismus-Debatte um den „Zwarte Piet“ berechtigt

Meinung : Darum ist die Rassismus-Debatte um den „Zwarte Piet“ berechtigt

Der Nikolaus ist in den Niederlanden angekommen und mit ihm die alljährliche Rassismus-Debatte um den „Zwarte Piet“. Zurecht. Ein Kommentar.

Trotz der Welle des Rechtspopulismus, die über Europa schwappt und somit in den Niederlanden wieder Fuß gefasst hat, gilt das kleine Land als offen und tolerant. Die Niederlande boten Zuflucht für Verfolgte aus aller Welt und ermöglichten 2001 als erstes Land gleichgeschlechtlichen Paaren eine Eheschließung. In den vergangenen Tagen herrscht dort aber erneut eine emotionsgeladene Rassismus-Debatte.

Autos wurden aus einem abgesperrten Gebiet verbannt, Taschenkontrollen durchgeführt, Anwohner bekamen Armbänder, um sich als solche ausweisen zu können. Der Grund für diese Sicherheitsmaßnahmen war keineswegs ein Fußball-Derby oder der Auftritt eines Präsidenten, sondern ein Kinderfest. Die Ankunft des Nikolaus im niederländischen Zaandam wurde mit größter Sorgfalt vorbereitet. Seit 2013 debattieren die Niederländer intensiv über die Figur des Zwarten Piet. Ist der Gehilfe des Nikolaus in seiner jetzigen Form rassistisch oder nicht?

Er gehöre zum Traditionsfest Sinterklaas in dieser Form schlicht dazu, argumentieren Befürworter. Er sei lustig und sorge für Freude bei den Kindern. Doch der Zwarte Piet wurde tatsächlich erst im 19. Jahrhundert eingeführt. Als Gehilfe des Sinterklaas bestraft er böse Kinder, in älteren Darstellungen ist er wild, unzuverlässig und spricht unbeholfen. Er wird mit schwarzer Haut, Kraushaar, Puffhose, roten Lippen und großen Ohrringen dargestellt. Er ist der böse, ungebildete Knecht neben dem weißen Heiligen. Gegner werfen der Darstellung vor, ein Stereotyp aufrecht zu erhalten, das Menschen afrikanischer Herkunft als zweitklassigen Bürger darstelle und Rassismus wecke. Befürworter und Gegner, Hooligans und Aktivisten gerieten in mehreren Städten aneinander. Die Auseinandersetzungen überschatten oftmals die Feierlichkeiten.

Leah Hautermans. Foto: lha

Niederländische Politiker halten sich jedoch gerne aus der Diskussion raus, dabei wird die Debatte von Jahr zu Jahr extremer und emotionaler. Es gebe „wichtigere Dinge zu tun“, sagte etwa der Gesundheitsminister Hugo de Jonge (CDA). Dabei hat sich der UN-Ausschuss bereits 2015 dafür ausgesprochen, dass die Regierung sich aktiv für eine Verbannung der negativen Stereotypen einsetzen solle. Die Sorge vor dem Verlust der konservativen Wähler macht offenbar stumm.

Aber es ist doch so: Sinterklaas ist vor allen Dingen eins; ein Kinderfest. Und Kindern, die am Straßenrand nach ihrer Meinung gefragt wurden, ist das Erscheinungsbild des Gehilfen vom Nikolaus meist gleichgültig. Einzige Anmerkung: Von Ruß bedeckt soll er sein, schließlich klettert er durch die Schornsteine, um den Kindern die Geschenke zu bringen. Es wird Zeit, dass die Niederlande auch diesen Rest aus der Kolonialzeit hinter sich lassen und sich beim größten Traditionsfest so bunt und offen zeigen, wie sie es in anderen Bereichen bereits sind.

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