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Coronavirus: Sperrzone Norditalien - welche Folgen gibt es?

Coronavirus : Sperrzone Norditalien - welche Folgen gibt es?

Die Regierung in Italien hat große Teile Norditaliens zur Sperrzone erklärt. Was bedeutet das - auch für Geschäftsreisende und deutsche Urlauber? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Im Kampf gegen die rasche Ausbreitung des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 hat Italien die Bewegungsfreiheit von rund 16 Millionen Bürgern im Norden des Landes drastisch eingeschränkt. Die Menschen in 15 Provinzen dürfen nur noch mit triftigen Gründen aus den Zonen hinaus oder in sie hinein. Was bedeutet das - auch für Geschäftsreisende und deutsche Urlauber?

WELCHE ORTE UND REGIONEN SIND BETROFFEN?

Unter anderem die Millionenmetropole Mailand, die Touristenhochburg Venedig, aber auch Städte wie Parma oder der bei Deutschen früher sehr beliebte Badeort Rimini an der Adria. Südtirol und die wichtige Nord-Süd-Achse zwischen Österreich und Italien - die Brennerautobahn - sind nicht betroffen.

WELCHE REGELN GELTEN?

Ein- und Ausreisen in betroffene Regionen sind nur noch mit triftigem Grund erlaubt. Unklar war zunächst, was genau damit gemeint ist. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte erklärte, die Polizei könne Menschen anhalten und nachfragen, es handle sich aber nicht um „rote Zonen“. Die Sperrungen sollen zunächst bis zum 3. April gelten.

SITZEN JETZT DEUTSCHE IN NORDITALIEN FEST?

Nein. Das Auswärtige Amt teilte am Sonntag mit, es gelte ein Verbot für Fahrten innerhalb der festgelegten Gebiete, „mit Ausnahme unaufschiebbarer berufsbedingter Fahrten oder in Notsituationen. Auch die Rückkehr an einen Wohnort sowohl innerhalb als auch außerhalb wie die Ausreise dazu nach Deutschland ist weiterhin möglich“. Die deutschen Auslandsvertretungen in Rom und Mailand stünden, was die Einzelheiten betrifft, mit den italienischen Behörden in engem Austausch und verfolgten, wie sich die praktische Umsetzung vor Ort entwickele.

WIE VIELE DEUTSCHE HALTEN SICH ÜBERHAUPT IM NORDEN AUF?

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es dazu am Sonntag: „Das deutsche Generalkonsulat in Mailand geht von rund 25.000 Deutschen in seinem Amtsbezirk aus, dessen Zuschnitt aber nicht vollständig mit den betroffenen Gebieten übereinstimmt.“

WELCHE EMPFEHLUNGEN GIBT DAS AUSWÄRTIGE AMT SONST?

Die Behörde rät von Reisen in die zur Sperrzone erklärten Regionen im Moment generell ab. Zudem wird auch „von nicht erforderlichen“ Reisen in die autonome Provinz Bozen-Südtirol in der Region Trentino-Südtirol abgeraten.

WAS IST MIT DEM BAHNVERKEHR NACH ITALIEN?

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn verwies am Sonntag darauf, dass für Fahrten nach und aus Italien die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) zuständig seien. Diese teilten mit, dass die Nachtzüge nach Mailand und Venedig eingestellt würden. Der Nachtzug nach Rom, der in München startet, fahre aber weiter. Am Tage fahren den Angaben zufolge weiter Züge nach Bologna, Udine, Triest, Verona und Venedig, aber ab Montag nur noch mit italienischem, nicht mehr mit österreichischem Personal.

UND FLÜGE?

Im Twitterkanal von Easyjet hieß es am Sonntag, man kenne die Berichte über Einschränkungen. Die Verbindungen von und nach Mailand, Venedig oder Malpensa seien aber momentan nicht betroffen, man plane einen ganz normalen Flugbetrieb. Ryanair twitterte, momentan gebe es keine Flughafenschließungen in Norditalien. Europas größter Billigflieger hatte bereits vor Tagen angekündigt, in den nächsten Wochen bis zu 25 Prozent aller Italien-Flüge wegen des Coronavirus zu streichen.

WELCHE AUSWIRKUNGEN AUF DIE REISEBRANCHE SIND ZU BEFÜRCHTEN?

Die Maßnahmen dürften die Lage für die Branche noch einmal verschärfen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) verweist bereits jetzt auf Umsatzeinbrüche von bis zu 75 Prozent. „Die Menschen sind verunsichert und halten sich derzeit mit Buchungen zurück“, sagt Verbands-Präsident Norbert Fiebig. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, bezeichnet die Lage als „sehr ernst“. Eine Spitzenrunde im Bundeswirtschaftsministerium will sich an diesem Montag mit den Folgen der Sars-CoV-2-Ausbreitung für den Tourismus beschäftigen.

(dpa)