Christian Boros: Wuppertaler baut Kunstbunker

Christian Boros: Wuppertaler baut Kunstbunker

Porträt: Der Werber Christian Boros arbeitet im Bergischen und zeigt in Berlin seine Kunstsammlung.

Wuppertal/Berlin. "Schönheit ist der Glanz der Wahrheit." Unter diesem schillernden Motto betreibt Christian Boros eine florierende Werbe-Agentur in Wuppertal. Seine internationalen Kampagnen (Coca Cola, Quante, Toshiba, von-der-Heydt-Museum) sind beliebt und begehrt. Der Erfolgsmensch kultiviert dabei einen spröden Charme. Schon sein Kahlkopf irritiert, weil er ihn älter aussehen lässt, als er ist. Ein Mann, der sich nicht anbiedert, sondern abgrenzt. Als Werber und als Kunstsammler.

"on" ließ er 2002 zur Eröffnung der Kunstsammlung in K21 in Schwarz auf weißes Papier drucken. "On", also "Auf", mehr nicht. Für die Biennale in Venedig benutzte er lediglich einen roten Balken und setzte einen roten Markuslöwen darauf. Wie kann so ein Senkrechtstarter der Werbung zugleich eine der weltweit herrlichsten und härtesten Kunstsammlungen aufbauen?

Gern erzählt der 44-Jährige: "Als ich mit 26 Jahren als Student in Wuppertal meine Firma gründete, sagte mein Lehrer Bazon Brock: ,Du wirst Geld verdienen, du bist ein geschickter Mann. Du klaust deine Ideen von der Kunst, wie wir dir das beigebracht haben. Aber du versprichst, dass du die Hälfte des Gewinnes, den du allein durch Raubbau an der Kunst machst, wieder in die Kunst zurück investierst.’ Das Versprechen habe ich gehalten. Mit der Wiedergutmachung hat die Sammeltätigkeit angefangen." Heute fügt er hinzu: "Es geht ja nicht um eine formale Adaption. Ich lerne aus der Haltung der Künstler. Mich interessiert die Grenze, auch die Schmerzgrenze."

Jetzt zieht Boros in ein Berliner Weltkriegs-Monster: den ehemaligen Reichsbahnbunker in der Albrechtstraße, in dem sich bei Bombenangriffen bis zu 10000 Menschen drängten.

2003 hat er den Betonklotz gekauft - ein Gebäude ganz nach seinem Geschmack, kantig und schwierig. Fast fünf Jahre hat es gedauert, aus 160 Räumen 80 zu machen. Denn die Wände und Zwischendecken sind tonnenschwer und meterdick. Nun hat sich das denkmal-geschützte Kriegs-Symbol zu einem Bollwerk der Avantgarde-Kunst gewandelt, mit teilweise zimmer-hohen Installationen, Anfang Mai soll Eröffnung sein. Natürlich hätte der Sammler die Kunst auch in einem normalen Gebäude unterbringen können, aber Widerstand gehört zu seinem Denken.

Klickt man auf seine Webseite, taucht das Wort Boros auf, in Weiß auf Rot. Ein Marketing in eigener Sache. So jemandem glaubt man, wenn er sagt: "Ich sammle, was ich nicht verstehe." Er wurde der Kunstkäufer des Remscheider Fotografen Wolfgang Tillmanns, nachdem er sich gewundert hatte, "wie man so dürftige Fotos produziert, die mich in ihrer mangelhaften Qualität abgestoßen haben". Er erstand Riesenwerke von Olafur Eliasson, bei dem er sich fragte, "wie man sich mit Physik und anderen naturwissenschaftlichen Prozessen so manisch auseinander setzen kann".

Warum er mit der Kunst nicht in Wuppertal bleibt? "Briefmarken kann man in Alben verstecken, aber Kunst ist die Aufforderung zum Dialog. Ich will Reaktionen spüren, und das geht nur dort, wo viele Menschen interessiert sind. Das ist in Berlin." Boros hat sich auf dem Bunker ein Penthouse bauen lassen. Dort jettet er am Wochenende hin. In Wuppertal aber wird er weiterhin arbeiten. "Das ist der Vorteil der Provinz, dass sie nicht ablenkt. In Wuppertal versteht man schmerzlich dass man gar nichts ist, wenn man nicht etwas tut."

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