1. Panorama

Caspar David Friedrich und Max Beckmann im Louvre: Einblick in die deutsche Seele

Caspar David Friedrich und Max Beckmann im Louvre: Einblick in die deutsche Seele

Caspar David Friedrich trifft Max Beckmann: Der Louvre zeigt den Franzosen weitgehend unbekannte Bilder aus Deutschland.

Paris. Die 50-Jahr-Feier des Elysée-Vertrages macht’s möglich: Deutschland präsentiert sich im Pariser Louvre in den nächsten drei Monaten von seiner besten Seite. „De l’Allemagne“ heißt die Ausstellung, die deutsche Malerei aus dem 19. und 20. Jahrhundert in den Blickpunkt rückt.

Eine anspruchsvolle Schau mit großem Aha-Effekt. Sie spiegelt eine kolossale Schaffenszeit wider, die von den Tagen des Sturm und Drang und der Frühromantik bis zur Moderne reicht. Eine Periode, die in Frankreich völlig ausgeblendet wurde. Mit 200 Werken wird deutsche Malerei in einer nicht gekannten Fülle gezeigt.

Der Louvre, mit jährlich über zehn Millionen Besuchern das meistbesuchte Museum der Welt, bietet den Friedrichs und Beckmanns, den Corinths und Carus eine internationale Bühne. Den Impuls gab das Deutsche Forum für Kunstgeschichte.

Frankreichs Premier Jean-Marc Ayrault, ein Germanist, staunte. „Ein hervorragendes Ereignis und eine exzellente Einführung in die deutsche Seele“, sagte er anlässlich der Eröffnung. Und fügte hinzu: „Ich habe viel Neues gelernt über die Sehnsucht der Deutschen, ihre Einheit zu finden.“

Die Ausstellung beginnt mit einem Ausrufezeichen: mit Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins berühmtem Gemälde „Goethe in der Campagna“ (1787), das zum ersten Mal außerhalb Deutschlands gezeigt wird.

Der Dichterfürst zu Beginn, das ist kein Zufall. Denn an ihm, dem „Olympier“, ist die ganze Ausstellung aufgehängt. Mit ihm wird der Bogen zu Paul Klee und zum Weimarer Bauhaus gespannt, obendrein verleiht er der Schau eine faustische Dimension. Ein eigener Raum, unter anderem mit Goethes kostbarer Mineralien- und Pflanzensammlung, widmet sich dem Universalgelehrten: dem Botaniker, dem Geologen und „Farblehrer“.

Immer wieder spielt die Ausstellung mit Kontrasten: Hier Leo von Klenzes „Walhalla“, das die Akropolis als Vorbild hat, dort die gotischen Kathedralen von Caspar David Friedrich. Der in sich gekehrte, naturverliebte und patriotisch gesinnte Frühromantiker, von ihm sind allein 20 Gemälde ausgestellt, ist der zweite Star der Schau. Zusammen mit Carl Gustav Carus rückt er im zweiten Teil die Natur und faszinierende Landschaften in den Blickpunkt. Bemerkenswerte Unterschiede bringt immer wieder der Vergleich zwischen den Künstlern dies- und jenseits des Rheins zutage.

Auf Adolph Menzels großformatigen Klassiker „Eisenwalzwerk“ folgt in der dritten Abteilung „Ecce Homo“ ein jäher Bruch, der in den Ersten Weltkrieg, Weimar und die Nazi-Diktatur mündet. Max Beckmanns Exil-Werk „Hölle der Vögel“ (1938), eine Allegorie auf Hitlers Barbarei, setzt einen ergreifenden Schlusspunkt.