Busunglück Radevormwald: Kein Herzversagen des Fahrers

Busunglück Radevormwald: Kein Herzversagen des Fahrers

Radevormwald/Köln (dpa). Das Busunglück in Radevormwald mit fünf Toten ist nicht durch Herzversagen des Fahrers ausgelöst worden. Genau drei Monate nach dem Unfall sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld am Dienstag: "Herzversagen war es mit Sicherheit nicht."

Der als erfahren und zuverlässig geltende Busfahrer (45) und vier Insassen waren am 22. September ums Leben gekommen, als der Linienbus in hohem Tempo eine Leitplanke durchbrach, 15 Meter tief eine Böschung hinabstürzte und in der Wupper liegenblieb. Sieben Insassen waren teilweise schwer verletzt worden.

Seitdem wurde auch immer wieder über gesundheitliche Probleme des Fahrers spekuliert. Feld sagte, die Ermittlungen seien praktisch abgeschlossen. In den nächsten Tagen werde die Staatsanwaltschaft entscheiden, "ob wir strafrechtlich jemandem einen Vorwurf machen müssen". Bis dahin könne er keine Einzelheiten nennen. Mit dem Fahrer waren ein älteres Ehepaar aus Schwerte, ein 38-jähriger Mann und eine 80 Jahre alte Frau aus Radevormwald umgekommen.

Der Leichnam des Busfahrers war obduziert worden. Auch die gesamte Technik wurde genau untersucht, um zu klären, ob ein Defekt Unfallursache gewesen sein könnte. Spezialisten nahmen das Buswrack unter die Lupe und werteten den Fahrtenschreiber aus. Damit wollten sie auch Informationen zur letzten Geschwindigkeit des Unfallfahrzeugs erhalten. Der Bus der Linie 626 soll noch neu gewesen sein. Ein Insasse hatte berichtet, der Fahrer habe auf der abschüssigen Straße plötzlich Vollgas gegeben.

"Ich kann nicht sagen, ob er sich vielleicht einfach umbringen wollte", gab der 25-jährige Überlebende damals an. Der Busverband Deutscher Omnibusunternehmer betonte, die sicherheitstechnische Ausrüstung der Busse sei gut und ausreichend, unter anderem mit drei Bremskreisläufen. Augenzeugen hatten beobachtet, dass der Bus mit rund 100 Kilometern pro Stunde ungebremst die kurvige Straße hinabraste.

Die bergische Kleinstadt bei Wuppertal hatte einige Tage nach der Tragödie in einer bewegenden Trauerfeier Abschied von den Opfern genommen. 150 Einsatzkräfte waren damals bei Rettung und Bergung im Einsatz, viele Psychologen und Seelsorger betreuten die traumatisierten Opfer und Angehörigen. Nur einige hundert Meter vom Unfallort entfernt waren 1971 bei einem Zugunglück 46 Menschen getötet worden, vor allem Schulkinder.