Aufgemöbelt für den Verkauf

Aufgemöbelt für den Verkauf

Wer eine Immobilie verkauft, will den höchstmöglichen Preis erzielen. Homestager hübschen alte Häuser und Wohnungen auf. Denn: Der erste Eindruck zählt.

Die Wohnung in Düsseldorf Knittkuhl sieht aus, als sei sie für ein Fotoshooting von „Schöner Wohnen“ ausgestattet. Die Wände sind makellos weiß und die Möbel geschmackvoll und gut ausgeleuchtet. Die Deko, nicht zu viel und nicht zu wenig. Im Badezimmer lädt eine mit azurblauem Wasser gefüllte Wanne zum Entspannen ein. Dass die Wohnung noch vor ein paar Wochen einer Messi-Wohnung glich, würde niemand vermuten. Im Gegenteil: Man verspürt den Wunsch, gleich einziehen zu wollen. Bei näherem Hinsehen kommt jedoch das Staunen: Die Kommode ist echt, das Bett ist echt, aber die glänzend weiße Küchenzeile — aus Pappe.

Stephanie Pudda hatte hier ihre Finger im Spiel. Sie ist Homestagerin aus Kaarst. Sie macht Immobilien fit für den Präsentierteller, sowohl Musterhäuser als auch Bestandsimmobilien. Sie entrümpelt, renoviert, übernimmt kleinere Malerarbeiten und möbliert die Immobilie samt Dekoration. Alles nur, um den Kaufinteressenten einen Eindruck zu vermitteln, was aus der Immobilie gemacht werden kann. Denn für potenzielle Käufer ist der erste Eindruck von entscheidender Bedeutung.

Wenn Haus oder Wohnung allerdings aussehen wie zu Uromas Zeiten, geprägt vom Schmand der Jahre und Reparaturstau, so fällt der Preis. „Viele Häuser wurden vor einem möglichen Verkauf teilweise jahrzehntelang nicht renoviert. Zum Beispiel nach einem Erbfall kann ich den Hinterbliebenen helfen, die Immobilie für den höchstmöglichen Preis zu verkaufen“, erklärt Pudda. Konkret verschafft sie sich zunächst einen Eindruck von der Immobilie. Dazu gehören auch der Eingangsbereich, Garten und Vorgarten. Der Gesamteindruck muss stimmen. Im Anschluss entsteht ein Maßnahmenkatalog, um das Haus ansprechend zu gestalten. Erste Umbauideen gibt sie dem Verkäufer auch gleich für die Interessenten mit an die Hand. Das A und O ist aber die Reinigung. „Auch wenn das Haus alt ist, muss es unbedingt sauber sein. Besonders die Badezimmer.“ Zuletzt wird das Haus eingerichtet.

Gerade wenn ein Generationenwechsel stattfindet, fehlt vielen Kaufinteressenten bei leerstehenden Häusern oder Wohnungen die Fantasie, was machbar ist. Puddas Ziel: Möglichst vielen eine Vorstellung geben. Dazu wird das Haus entpersonalisiert und spricht die breite Masse an. „Ich will ja nur eine Vorstellung davon geben, wie es aussehen könnte. Das ist wie die Präsentation eines Musterhauses“, sagt sie. Einfach mit einem Eimer Farbe die Räumlichkeiten zu neutralisieren, reicht nicht, weiß die Expertin: „Die Einrichtung spielt eine tragende Rolle. Leere Räume wirken oft klein, emotionslos und kalt.“ Was in den USA und Skandinavien schon längst zur Normalität geworden ist, setzt sich hier erst langsam durch. Burkhard Pohl kann das nicht verstehen. Der Ratinger Immobilienmakler hat 35 Jahre Berufserfahrung und arbeitet schon lange mit Homestagern zusammen. „Beim Verkauf von Autos ist es üblich, dass der Wagen vor der Präsentation aufgeräumt, gewaschen und poliert wird. Aber bei Immobilienverkauf meinen einfach alle, das wäre nicht nötig. Ich denke, viele schrecken davor zurück, weil die Kosten zunächst vom Eigentümer getragen werden müssen. Aber wir erzielen damit außerordentliche Erfolge. Bisher hat sich das Staging immer mehr als gerechnet“, sagt er. Ein Beispiel: Die Wohnung in Knittkuhl war sieben Monate auf dem Markt, bevor sie aufgehübscht wurde. Von ursprünglich geforderten 240 000 Euro ist der Preis bis auf 160 000 Euro gefallen. Ein Käufer wurde nicht gefunden. Nachdem Pudda am Werk war, wurde die Wohnung innerhalb einer Woche für 210 000 Euro verkauft. Laut Deutscher Gesellschaft für Home Staging und Redesign e.V (DGHR) steigt der erzielte Preis nach der Aufhübschung um zehn bis 15 Prozent. Stephanie Pudda bekommt zwischen einem und drei Prozent des Verkaufspreises als Honorar.

Mittlerweile hat sie sich einen beachtlichen Fundus an Möbeln und Dekorationsartikel angeschafft. Ihre Kunden mieten die Möbel dann für drei Monate. „In 90 Prozent der Fälle ist die Immobilie danach verkauft“, sagt sie. Manchmal sind die Käufer so begeistert von Puddas Einrichtungsvorschlag, dass sie sich noch Tipps geben lassen, wo es die Möbel und Accessoires zu kaufen gibt. Fündig wird sie dabei häufig in den Niederlanden. Dort gibt es auch hochwertige Möbel aus Karton.

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