1. Panorama

Auffallend viele Kinder entwickeln Diabetes in der Pandemie

Ursache noch unklar : Auffallend viele Kinder entwickeln Diabetes in der Pandemie

Deutlich mehr Kinder haben in der Corona-Zeit einen sogenannten Typ-1-Diabetes entwickelt. Das hat die Uni Gießen herausgefunden.

Während der Corona-Pandemie ist in Deutschland bei deutlich mehr Kindern ein sogenannter Typ-1-Diabetes festgestellt worden. In den ersten anderthalb Jahren der Pandemie waren insgesamt 5162 Kinder und Jugendliche von dieser Diagnose betroffen, wie die Universität Gießen am Freitag mitteilte. Das entsprach einer Inzidenz von 24,4 pro 100.000 Patientenjahre. Gegenüber den Jahren 2011 bis 2019 war dies ein Anstieg um 15 Prozent.

Die Ursachen für die höhere Zahl von Neuerkrankungen sind demnach noch unklar. Es gibt den Forscher zufolge keine validen Informationen darüber, ob die Kinder vor der Diagnose mit Corona infiziert waren. Auffällig sei gleichwohl ein zeitlicher Zusammenhang mit den ersten drei Wellen der Corona-Pandemie. Jeweils etwa drei Monate nach den Höhepunkten der ersten drei Corona-Wellen zeigte sich der Studie zufolge ein starker Anstieg der Inzidenz des Typ-1-Diabetes um bis zu 50 Prozent.

Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, in deren Folge die Zellen der Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren. Schon lange wird allgemein eine Verbindung zwischen Virusinfektionen und dem Auftreten eines Typ-1-Diabetes diskutiert. Allein in Deutschland leiden rund 32.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren an dieser Stoffwechselkrankheit.

Für die Studie werteten die Gießener Forscher Daten zur Häufigkeit von Diabetes-Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen von Januar 2020 bis Ende Juni 2021 aus und verglichen diese mit den Daten der Vorjahre seit 2011. Besonders stark betroffen von der Erhöhung der Typ-1-Diabetesinzidenz waren demnach Kleinkinder im Alter von unter sechs Jahren, bei denen die Häufigkeit im Beobachtungszeitraum um 23 Prozent und im ersten Halbjahr 2021 sogar um 34 Prozent anstieg.

Die Studie der Universität Gießen wurde in der Fachzeitschrift "Diabetes Care" veröffentlicht. Typ-1 ist nicht zu verwechseln mit der sogenannten Altersdiabetes. Während Typ-1-Diabetes durch einen absoluten Mangel des Hormons Insulin verursacht wird und meist schon im Kindes- und Jugendalter beginnt, gelten beim Typ-2-Diabetes neben einer erblichen Veranlagung Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel als wichtigste Ursachen.

hex/cfm

(AFP)