Architekt Souto de Moura erhält Pritzker-Preis

Architekt Souto de Moura erhält Pritzker-Preis

Los Angeles/Lissabon (dpa) - Der Pritzker-Preis, die mit 100 000 Dollar weltweit höchste Auszeichnung für Architekten, geht in diesem Jahr nach Portugal. Preisträger ist der 58-jährige Eduardo Souto de Moura.

Am 2. Juni soll der Preis in Washington D.C. überreicht werden, wie die Verleiher der Auszeichnung mitteilten.

„Ich bin ein normaler Architekt (...) und habe nie gedacht, dass ich den Pritzker gewinnen würde. Als man mich vor einigen Tagen anrief, um die Auszeichnung anzukündigen, dachte ich, man veräppelt mich“, sagte Moura am Montagabend auf einer Pressekonferenz in Lissabon. Erst die Online-Meldung in der „New York Times“ habe ihn überzeugt.

Als bisher einziger Portugiese hatte Star-Architekt Alvaro Siza 1992 die begehrte Auszeichnung erhalten. Beide arbeiten in der nordportugiesischen Metropole Porto, haben Büros im selben Gebäude und gelten als berühmteste Schüler der von Fernando Távora (1923-2005) gegründeten „Schule von Porto“. Zusammen entwarfen Moura und Siza für die Weltausstellung Expo 2000 in Hannover den Pavillon Portugals. „Dass ein Land mit zehn Millionen Einwohnern gleich zwei Pritzker-Sieger hat, ist gar nicht schlecht“, kommentierte Moura.

Die Nachricht aus Los Angeles wurde in Portugal von Medien, Politikern und anderen Persönlichkeiten bejubelt. „Dieser Preis für Souto de Moura ist hochverdient und auch eine Anerkennung für Portugal“, teilte Präsident Anibal Cavaco Silva mit. Siza würdigte das Werk seines Kollegen mit den Worten: „Seine Arbeit besteht nicht aus isolierten Teilen. Es handelt sich um eine Architektur, die Vergangenheit hat und die Zukunft ankündigt“. „Souto de Moura ist König der Architekten“, titelte das Massenblatt „Correio da Manha“.

Zu Mouras bekanntesten Projekten zählt das 2004 eingeweihte Sportstadion Estadio Municipal, das hoch über der portugiesischen Stadt Braga in einen Felsen gebaut wurde. In einer Mitteilung würdigte die Pritzker-Jury den Bau, den auch Moura als „mein Lieblingswerk“ bezeichnet, als „muskulös, monumental und sehr mit der gewaltigen Landschaft verbunden“. Dem siebenköpfigen Gremium gehörte unter anderem der italienische Architekt Renzo Piano an.

Moura arbeitet häufig mit Zement, Stein, Kupfer und Holz. Die meisten seiner rund 60 Projekte, darunter Einfamilienhäuser, Kinos und Hotels, stehen in seiner Heimat. Seine Entwürfe wurden aber auch in Deutschland, Spanien, Italien und der Schweiz realisiert.

In der Stunde des großen Erfolgs präsentierte sich der jüngste Pritzker-Preisträger, wie man ihn in Portugal kennt, äußerst bescheiden. „Ich habe den Preis wohl nur wegen der (finanziellen) Krise in Portugal bekommen, weil meine Arbeit simpel ist und ich mit wenig Geld auskomme“, erklärte er. In Portugal hätten die jüngeren Architekten kaum noch Arbeit, „alles wandert aus“, vor allem in die Schweiz und nach Brasilien, klagte er. Auch er habe zuletzt fast nur im Ausland Aufträge erhalten. Er hoffe, dass der Preis dazu beiträgt, „Portugal wieder nach oben zu bringen“.

Der Pritzker-Preis wird seit 1979 verliehen. Er wurde von dem Chicagoer Unternehmer Jay A. Pritzker und dessen Ehefrau Cindy gestiftet. Die Familie besitzt unter anderem die internationale Hyatt-Hotelkette.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören neben Frank Gehry auch der Italiener Renzo Piano, der Niederländer Rem Koolhaas, die Schweizer Jacques Herzog und Pierre de Meuron, der Brasilianer Oscar Niemeyer und der deutsche Architekt Gottfried Böhm. Im vergangenen Jahr wurden Kazuyo Sejima und ihr Kollege Ryue Nishizawa, die Gründer des Architektenbüros Sanaa in Tokio, ausgezeichnet.