Anwalt will im Fall Lügde Länder und Landkreis verklagen

Missbrauch auf Campingplatz : Anwalt will im Fall Lügde Länder und Landkreis verklagen

Im Zusammenhang mit dem Lügder Missbrauchsfall will der Hamelner Opferanwalt die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verklagen. Seit 2008 waren dort mindestens 31 Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs geworden.

Im Zusammenhang mit dem Lügder Missbrauchsfall will der Hamelner Opferanwalt Roman von Alvensleben die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verklagen. Darüber berichtet der „Spiegel“. Es gehe im Rahmen der sogenannten Amtshaftungspflicht um Schmerzensgeld und Schadenersatz für ein von ihm vertretenes zehnjähriges Mädchen, sagte der Anwalt am Freitag. Das Kind gehöre zu den Opfern des sexuellen Missbrauchs auf dem Campingplatz im Kreis Lippe. Dem „Spiegel“ sagte von Alvensleben: „Hätten die Behörden nur ansatzweise ihre Arbeit ordentlich gemacht, wäre meiner Mandantin und anderen Kindern ihr Leid erspart geblieben.“

Er erwäge auch eine Klage gegen den Landkreis Hameln-Pyrmont, sagte der Anwalt. Die dortigen Behörden hätten spätestens seit 2016 von Missbrauchsvorwürfen gewusst. „Hätten sie damals gehandelt, wäre meine Mandantin nicht auch Opfer geworden.“ Das Jugendamt des Landkreises hatte einen Mann als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt, der das Kind und weitere Mädchen auf dem Campingplatz nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen missbraucht haben soll.

Seit 2008 waren den bisherigen Erkenntnissen zufolge dort mindestens 31 Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren in mehr als 1000 Fällen Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Drei Verdächtige sitzen deshalb in Untersuchungshaft. Ermittelt wird zudem gegen einen 16-jährigen, der kinderpornografisches Material besessen haben soll, das auf dem Campingplatz entstanden ist. Weitere Ermittlungsverfahren laufen gegen zwei Beschuldigte wegen Beihilfe und gegen eine Person wegen Strafvereitelung.

(dpa)