Anthony Hopkins: Der ewige Hannibal Lecter wird 75

Anthony Hopkins: Der ewige Hannibal Lecter wird 75

Er spielte Hitler und Picasso. Doch in Erinnerung bleibt die Rolle des Kannibalen. Am Montag wird Anthony Hopkins 75.

Los Angeles. Anthony Hopkins ist uralt, zumindest auf der Leinwand. In dem Bibel-Epos „Noah“ ergraut er zu Methusalem, dem Großvater von Archenbauer Noah (Russell Crowe). Hopkins hat gerade mit Regisseur Darren Aronofsky gedreht, bis 2014 müssen die Fans des Leinwandstars aber noch auf dessen biblische Metamorphose warten. Hopkins, der am Montag 75 Jahre alt wird, hat die Messlatte als genialer Verwandlungskünstler hoch gehängt.

In dem Film „Hitchcock“ nahm Hopkins zuletzt die Gestalt seines legendären Landsmannes Alfred Hitchcock an. Die Ähnlichkeit ist verblüffend: Mit Halbglatze, Doppelkinn und Extra-Pfunden, so wie Hitchcock um 1960 aussah, als sein Horror-Schocker „Psycho“ den Kinogängern Gänsehaut einjagte. Im Februar können sich dann auch die deutschen Zuschauer davon überzeugen.

Mit Gruselstoffen kennt sich Hopkins bestens aus. Als psychopathischer Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ schockte er 1992 die Kinobesucher. Gerade einmal 16 Minuten ist er in dem Psychothriller auf der Leinwand zu sehen, doch das reichte. Das Duell zwischen dem mörderischen Kannibalen und der standfesten FBI-Agentin Clarice Starling (Jodie Foster) schrieb Filmgeschichte.

Dabei sieht Sir Anthony Hopkins beileibe nicht wie ein Monster aus. Mit seinen humorvollen Augen und den tausend Lachfältchen nimmt man ihm eher den englischen Gentleman ab. Was seinen Charakteren ihre Glaubwürdigkeit verleiht, ist eine knisternde Leinwandpräsenz — gleichgültig, ob als Adolf Hitler in „Der Bunker“ (1981), als der gefallene US-Präsident Richard Nixon in Oliver Stones „Nixon“ (1995) oder als Picasso in „Mein Mann Picasso“ (1996).

Mit 75 Jahren gibt Hopkins weiter Gas. Gerade dreht er mit Morgan Freeman und Bruce Willis die Fortsetzung des Agentenfilms „R.E.D. — Älter.Härter.Besser.“ Gleichzeitig verwandelt er sich in der nächsten „Thor“-Folge wieder in Odin, den Vater von Donnergott Thor. Beide Filme sollen Ende 2013 in die Kinos kommen.

Für den Sohn einer Bäckerfamilie in Wales war es ein schwieriger Weg in die Topriege der Schauspieler. Hopkins, der sich mit minimaler Mimik eine so starke Leinwandpräsenz verschafft, war lange von Furcht und Unsicherheit geplagt. „Ich habe die Schule gehasst, weil mein Gehirn nicht mitwollte. Ich fühlte mich geächtet und isoliert“, sagte Hopkins. „Meine größte Angst war, dass ich dumm bin und niemals etwas erreiche.“ Erst in reiferem Alter habe die Angst abgenommen.

Nach dem Militärdienst schaffte er 1961 die Aufnahme an die renommierte Royal Academie of Dramatic Arts in London — ein glänzendes Sprungbrett. Am Theater konnte er sich den Ruf eines vielseitigen Charakterdarstellers erwerben — allein als „King Lear“ stand er zahllose Male auf der Bühne.

Doch er galt auch als schwierig und unberechenbar, häufig legte er sich mit seinen Regisseuren an. Als seine Ehe mit der Schauspielerin Petronella Barker zerbrach und er die gemeinsame Tochter Abigail nicht mehr sehen durfte, nahmen seine Alkoholprobleme drastisch zu.

Erst nach einem Zusammenbruch 1975 gelang es ihm mit Hilfe seiner zweiten Frau, das Trinken aufzugeben. Inzwischen ist Hopkins ein drittes Mal verheiratet und seit dem Jahr 2000 auch amerikanischer Staatsbürger. Seinen britischen Pass und den ritterlichen Ehrentitel Sir durfte er aber behalten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung