Angst um den Job: Immer weniger melden sich krank

Angst um den Job: Immer weniger melden sich krank

Der Krankenstand erreicht ein historisches Tief. Experten warnen vor den Risiken für die Gesundheit.

Düsseldorf. Im ersten Halbjahr 2009 hat der Krankenstand in Deutschland einen historischen Tiefstand erreicht. Durchschnittlich gerade einmal 3,5 Arbeitstage fehlten Beschäftigte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Arbeitsmarktexperten führen dies auf die wachsende Sorge der Arbeitnehmer um ihren Job zurück. "In wirtschaftlichen Krisenzeiten sinken tendenziell die Krankenstände", sagte Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkts- und Berufsforschung (IAB) der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit.

Nach der aktuellen Statistik des Bundesgesundheitsministeriums (BGM) fehlten zwischen Januar und Juni dieses Jahres im Durchschnitt 3,24 Prozent der Beschäftigten aus gesundheitlichen Gründen. Es handelt sich dabei um den niedrigsten Wert in einem ersten Halbjahr seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1970. Die Statistik des BGM erfasst die Krankenstände aller gesetzlich versicherten Arbeitnehmer.

Die sinkende Zahl krankgemeldeter Arbeitnehmer ist laut Susanne Wanger vom IAB darauf zurückzuführen, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten die Arbeitsbedingungen in Deutschland verbessert haben. Zudem arbeiteten weniger Beschäftigte in Bereichen mit schwerer körperlicher Arbeit, dafür mehr im Dienstleistungsbereich.

Hinzu kommt aber auch, dass durch die Wirtschaftskrise immer mehr Arbeitnehmer um ihren Job fürchten und sich trotz Krankheit zur Arbeit schleppen. Professor Elmar Brähler, Arbeitspsychologe an der Universität Leipzig: "Es gibt viele Arbeitnehmer, die sich nicht trauen, sich krank zu melden. Dabei sollten sie dringend zu Hause bleiben und ihre Krankheiten richtig auskurieren."

Erkrankungen wie Depressionen und Rückenleiden hätten in den vergangenen Jahren einen Spitzenstand erreicht und seien auch auf den wachsenden Druck am Arbeitsplatz zurückzuführen. Das führe dann unter anderem auch dazu, dass die Zahl der Frühverrentungen steige.

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