Amri nicht als hochgefährlich eingeschätzt

Amri nicht als hochgefährlich eingeschätzt

Düsseldorf/Berlin. Zehn Monate vor dem islamistischen Terroranschlag in Berlin ist der Attentäter Anis Amri von deutschen Sicherheitsexperten nicht als hochgefährlich eingestuft worden.

Das sagte der damalige Leiter des politischen Staatsschutzes im nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt, Klaus-Stephan Becker, gestern im Berliner Untersuchungsausschuss. Amri habe in einer Besprechung des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums am 17. Februar 2016 und auch später noch die Gefährdungsstufe 5 von 8 erhalten. Das habe bedeutet, ein Anschlag werde für „eher unwahrscheinlich“ gehalten, sagte Becker.

Diese damalige Bewertung der Polizeiexperten aus den Ländern und vom Bund sei einhellig gewesen, sagte Becker. Er betonte aber auch, dass sein Landeskriminalamt eher eine treibende Kraft bei der Überwachung Amris gewesen sei: „Wir waren der Überzeugung, dass Amri der besonderen Beobachtung bedarf.“ Zudem beschwerte Becker sich indirekt, dass die Berliner Kriminalpolizei Amri bei dessen Ankunft mit einem Bus in Berlin am 18. Februar 2016 nicht wie gewünscht observierte, sondern festnahm: „Wir waren nicht begeistert.“ Die Berliner Polizei hatte immer gesagt, NRW habe sie damals sehr kurzfristig informiert. In Berlin hätten für eine Observation nicht genügend Zivilfahnder zur Verfügung gestanden.

Zu operativen Maßnahmen gegen Amri in NRW konnte Becker, der bis März 2016 beim dortigen LKA war, nichts sagen. Bei dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt starben am 19. Dezember 2016 zwölf Menschen, mehr als 70 wurden verletzt. dpa

Mehr von Westdeutsche Zeitung