Aids: Betreutes Wohnen immer wichtiger

Aids: Betreutes Wohnen immer wichtiger

Bundesweit sind 63 500 Menschen HIV-infiziert. In NRW sind es 14 000.

Düsseldorf. Über Aids, einst Dauerthema in öffentlichen Diskussionen, wird heute nur noch selten gesprochen. "Die Krankheit hat in der Wahrnehmung ein Stück weit ihren Schrecken verloren", sagte Ulrich Heide, geschäftsführender Vorstand, bei der Jahrespressekonferenz der Aids-Stiftung am Montag in Düsseldorf. Wer vor zehn Jahren an Aids erkrankte, hatte im Schnitt eine Lebenserwartung von 20 bis 22 Monaten, so Heide. Heute wird Aids meist als chronische Erkrankung begriffen, die durch antiretrovirale Medikamente gemildert werden kann.

Segen und Fluch zugleich: Zwar leben die Kranken länger, die Medikamente jedoch haben Nebenwirkungen, die zur Pflegebedürftigkeit führen können - angesichts von 63 500 Infizierten und Erkrankten, davon allein 14 000 in NRW (etwa auf Vorjahresniveau), ein Grund für die Aids-Stiftung, sich verstärkt im Bereich Betreutes Wohnen zu engagieren. In Berlin, Koblenz und Essen sind Pflegeheime entstanden, ein weiteres in Köln folgt.

Die Aids-Stiftung verzeichnete 2008 ein Defizit in ihren Büchern von gut 700 000 Euro aufgrund von Aktienabschreibungen. "Die sinkenden Einnahmen zwingen uns dazu, unsere Unterstützung auf die Bedürftigsten zu konzentrieren", so Vorstandvorsitzender Christoph Uleer. Das heißt: Die individuellen Hilfe-Leistungen werden reduziert, bereits 2008 ging daher die Zahl der bewilligten Anträge um mehr als 700 auf knapp 3100 zurück. Dafür wird mehr Geld in die Bereiche Berufliche Qualifizierung, Krankenreisen und Projekte für alleinerziehende Frauen und Migranten gesteckt. Auch in Maßnahmen in Afrika wird weiter investiert.