Adventskalender - Tür für Tür schon ein Geschenk

Geschenkeschlacht : Adventskalender - Tür für Tür schon ein Geschenk

Der Adventskalender wird  mehr und mehr zum vorgezogenen Präsent. Da darf es auch mal was Besonderes sein. Oder teuer.

Der teuerste Adventskalender der Welt steht nicht im Laden, sondern im Guinessbuch der Rekorde: Vor acht Jahren ließ ein belgischer Diamanthändler Künstler 24 Glasröhrchen gestalten, in die jeweils ein kleiner Diamant versenkt war – der wertvollste natürlich in Rohr 24. Wert: 2,5 Millionen Euro. 2010 war wohl das Jahr der Luxus-Kalender, denn zeitgleich brachte das Londoner Luxuskaufhaus Harrods einen eine Million US-Dollar teuren Adventskalender heraus, hinter dessen Türen Klimbim wie ein Schnellboot oder eine Designerküche warteten.

„Generell ist die Nachfrage nach Adventskalendern aller Art in den letzten Jahren beachtlich gestiegen“, sagt Carina Peretzke vom Handelsverband NRW. Von 2013 bis 2017 nahm der Umsatz um 31 Prozent zu, mehr als 94 Millionen Euro betrug er im vergangenen Jahr. Die klassische Pappversion mit hübschen Bildchen liege in der Kundengunst nach wie vor vorne. Aber: Bei der Preisspanne ist nach oben und unten alles möglich“, so Peretzke.

Champagnerflaschen, Porridge, Sextoys und kluge Menschen

Sie glaubt, „dass der Adventskalender einen Platz als Vorweihnachtsgeschenk eingenommen hat, um so dem oder der Beschenkten seine Wertschätzung nicht nur durch Geschenke am Heiligabend auszudrücken“. Die Geschenkeschlacht, so scheint es, wird vielfach über den gesamten Dezember ausgedehnt. Für die Kinder muss es meist der selbstgebastelte, selbstbefüllte Jutebeutel-Kalender mit pädagogischem Anspruch sein. Unter Erwachsenen aber gerne das ganz Ausgefallene – und eben auch das Teurere. Eine Sammlung:

Müsli für jeden Tag vor Weihnachten. Foto: My Müsli

Eine prickelnde Vorweihnachtszeit versprechen etwa die Adventskalender von „Champagne Characters“ – das Einsteigermodell mit vier Champagnerflaschen für vier Adventssonntage gibt es für 200 Euro, wer sich jeden Tag eine zutraut, muss mit 674 bis 1022 Euro etwas tiefer in die Tasche greifen. Ebenfalls prickelnd, aber doch günstiger (49,95 Euro) sind die Bier-Adventskalender von „Traummann“ mit 24 deutschen und internationalen Bieren vom koreanischen Lager bis zum Zwönitzer Rauchbier. Gar kein Prickeln, dafür viel mehr Wumms haben die Kalender der „Whisky-World“ mit 104,95 bis 239,95 Euro und 41,19 bis 44,34 Volumenprozent Alkohol.

Wer es doch kulinarisch braucht, aber nicht jeden Tag zum Start in den Tag Pralinen aus dem Kalender fischen will, für den hat „My Müsli“ quadratische Pappkalender vollgepackt mit Müslibechern in verschiedenen Sorten (59,90 Euro) oder in der Deluxe-Variante kombiniert mit Porridge sowie Müsliriegeln und Körneresser-Zubehör. Der spezielle Porridge-Adventskalender ist bereits ausverkauft.

Vier Champagnerflaschen für vier Adventssonntage. Foto: Nicola Neumann

Apropos ausverkauft: Das ist auch der Weihnachtskalender der Erotikmarke „Amorelie“ – zumindest die günstigere „Classic Edition“. Für 229,90 Euro gibt es noch das Premium-Paket, das ideal sein soll für Einsteiger und einen „100 Prozent diskreten Versand“ garantiert. Wem das zu viel Experimentelles und zu viel Geld ist, aber die Vorweihnachtszeit tatsächlich noch als Zeit der Liebe begreift, der findet bei Amazon das Buch „Was ich an dir liebe“ mit Liebesbotschaften und Platz zum Ergänzen für lachhafte 6,99 Euro.

Zum gegenseitigen Schenken in der Partnerschaft hier noch zwei Vorschläge, die knallhart im Gender-Mainstream sind: Für Männer den Wera-Adventskalender mit Schraubwerkzeugen für 20 unterschiedliche Anwendungen – Falttasche und im Dunkeln leuchtender Flaschenöffner inklusive – ab 39 Euro und für Frauen den „Opulent Infusions Advent Calendar“ von Molton Brown mit Duschgelen, Handseife und Duft-Allerlei von Rose über Bergamotte bis Weißer Trüffel für 200 Euro.

Wer das eine und das andere als zu platt empfindet, für den führt der „Avocado Store“ im Internet den „Klügsten Adventskalender der Welt“ mit 24 plus 1 Kompaktbiografien berühmter Weltveränderer von Nelson Mandela über Sophie Scholl und Astrid Lindgren bis zu Coco Chanel (58 Euro). Man kann aber auch einfach an 24 Tagen für insgesamt 24 Euro – oder beliebig mehr, wenn man mag – etwas Gutes tun: Im Kalender von 24-gute-taten.de verbirgt sich hinter jeder Tür ein soziales oder ökologisches Projekt, das durch die Spende unterstützt wird.