Action-Park am Nürburgring

Action-Park am Nürburgring

Die Rennstrecke will sich mit einem riesigen Angebot unabhängiger von der Formel 1 machen.

Nürburg. Der Nürburgring in der Eifel ist eine der berühmtesten Rennstrecken der Welt. Vor allem die mehr als 20 Kilometer lange Nordschleife ("Grüne Hölle"), die von der Formel 1 nicht mehr befahren wird, bringt viele Piloten ins Schwärmen. Das erste Rennen auf dem Kurs wurde bereits 1927 ausgetragen.

Drei Tage vor dem Großen Preis von Deutschland wurde am Donnerstag das Projekt "Nürburgring 2009" eröffnet, mit dem sich die Traditionsstrecke zum ganzjährigen Freizeit- und Geschäftszentrum wandeln soll. Zu den ersten Besuchern gehörte Ring-Botschafter Boris Becker mit Ehefrau Lily. Zum Start war allerdings längst nicht alles fertig, der riesige Themenpark ist immer noch eine gigantische Baustelle. Das große Geschäft während der Sommerferien in NRW und Rheinland-Pfalz fällt somit ins Wasser.

Seit Ende 2007 wird in der Eifel gebaut, um der traditionsreichen Rennstrecke ein neues Gesicht zu verpassen und sie finanziell unabhängiger vom Formel- 1-Zirkus zu machen. Bislang kamen rund zwei Millionen Besucher pro Jahr an die Rennstrecke, nun sollen 500 000 neue dazukommen. Das Projekt hat mehr als 250 Millionen Euro gekostet.

Zur gut fünf Kilometer langen Grand-Prix-Rennstrecke und der Nordschleife kommen ein Vier-Sterne-Hotel mit Casino, ein Kongresscenter, ein Feriendorf mit rund 100 Häusern, eine Konzert- und Sportarena, das "Action-Museum" Ringwerk und der Ringracer, mit 217 km/h die schnellste Achterbahn der Welt.

Das Ringwerk, Herzstück des Freizeitparks, öffnet erst am 15.August seine Tore: Auf 15 000 Quadratmetern sollen die Besucher hier in einem etwa vierstündigen Rundgang dem Mythos Nürburgring nachspüren. Die Halle beheimatet auch eine historische Ausstellung über acht Jahrzehnte Motorsport.

Fertig ist die 1,2 Kilometer lange Strecke des "Coasters". Sie führt an der Start- und Zielgeraden der Formel 1 entlang. In nur 2,5 Sekunden ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht, wenn der Achtsitzer mit Druckluft aus der Startposition herauskatapultiert wird. Der Ringracer beschleunigt also doppelt so schnell wie ein Formel-1-Wagen. Das Gerät ist allerdings noch nicht vom Tüv abgenommen, und ist deshalb einstweilen nur mit gedrosseltem Tempo unterwegs.

Im Multimedia-Theater geht es um den Bau der Nordschleife durch die dichten Eifelwälder, an der in den 20er Jahren bis zu 3000 Menschen mitarbeiteten. Auch der Unfall von Niki Lauda 1976 ist Thema.

Die neue Ring-Arena für rund 5000 Zuschauer wird am Samstag mit zwei Kämpfen um die Box-Weltmeisterschaft eingeweiht. Mittelgewichtler Felix Sturm verteidigt seinen WBA-Titel gegen den Armenier Khoren Gevor. Der Schweriner Sebastian Zbik und der Italiener Domenico Spada kämpfen um die WBC-Mittelgewichts-Krone. Als Gäste haben sich unter anderem Michelle Hunziker, Michael Schumacher und Lukas Podolski angesagt.

In einem "vierdimensionalen" Kino sollen Motorsportbegeisterte am 24-Stunden-Rennen teilhaben. Während in der realen Welt über 200 Wagen einen Tag und eine Nacht über den Asphalt rasen, dauert die virtuelle Reise nur 15 Minuten. Mit Spezialbrillen entsteht ein dreidimensionaler Film auf der Leinwand, die vierte Dimension bieten die vibrierenden Sitze. Im Testcenter steht die Technik im Vordergrund: Fahrwerke, Getriebe, Motoren.

Im "Nürbus" verwandelt sich eine Kaffeefahrt durch die idyllische Eifel in einen rasanten Trip über die Nordschleife, weil der Fahrer angeblich falsch abbiegt, so die Illusion, die in den Busfenstern entsteht. Im Eifeldorf "Grüne Hölle" findet sich neben Restaurants dann noch eine Großraumdisco für die Party danach.

Mehr von Westdeutsche Zeitung