Achteinhalb Jahre Haft für Kassandras Peiniger (15)

Achteinhalb Jahre Haft für Kassandras Peiniger (15)

Urteil: Das Landgericht Wuppertal spricht den 15-jährigen Schüler des versuchten Mordes schuldig. Die Tat lief noch brutaler ab als bisher bekannt.

Wuppertal/Velbert. Das Urteil war gerade gefallen, da prasselte auf dem Gerichtsflur ein Blitzlichtgewitter auf den Vater von Kassandra nieder. Was er zum Urteil sage, wie er sich fühle - die Fragen rissen nicht ab. Doch viel sagte der schmächtige Mann nicht, der scheu in die Kameras blickte. Ja, er sei zufrieden mit dem Urteil. Jetzt müssten er und seine Familie das Geschehen erst einmal sacken lassen, zur Ruhe kommen. Und dann, als sich die Journalisten abwenden, huschte in einem kurzen Moment so etwas wie ein Lächeln über sein Gesicht.

Kassandras Eltern sind erleichtert. Achteinhalb Jahre Jugendstrafe, so lautet das Urteil des Landgerichts. Eine lange Zeit, für die der gerade mal 15 Jahre alte mutmaßliche Peiniger von Kassandra ins Gefängnis muss. Dass das Urteil nicht noch höher ausgefallen ist, dürfte der Förderschüler vor allem seinem Geständnis am ersten Prozesstag zu verdanken haben.

Wie gestern erstmals bekannt wurde, hat sich die Tat noch brutaler abgespielt als in der Anklage beschrieben. Demnach soll der damals 14-Jährige dem neunjährigem Mädchen aus Velbert-Neviges mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Dann soll er laut Geständnis mit einen Betonstein auf Kassandras Kopf geschlagen haben. Das bewusstlose Mädchen schleifte er zum Kanalschacht und stieß es in die Tiefe.

Aus einer Höhe von 1,50 Metern ließ er bis zu 19 Kilo schwere Steine auf ihren Kopf fallen, um sicher zu gehen, sein Opfer getötet zu haben. Er zog den Deckel über den Schacht und tarnte das Versteck mit Ästen aus Angst vor einer Strafe.

Das Motiv: Angeblich war der Förderschüler sauer darüber, dass Kassandra ihn "verpetzt" habe und er deswegen nicht mehr mit ihrem Bruder spielen durfte. Trotz des absurden Motivs attestierte das Gericht dem Jugendlichen volle Schuldfähigkeit. Mehr wurde zur Persönlichkeit des früh als verhaltensauffällig bezeichneten Jungen nicht bekannt. Die Frage nach dem "Warum", so Nebenklage-Anwalt Holger Boden, werde wohl noch lange bleiben.

Das Urteil habe der Angeklagte "regungslos" aufgenommen, sagte Staatsanwalt Rüdiger Ihl nach Prozessende. Verteidigerin Astrid Denecke nannte den Zustand ihres Mandanten "gefasst". Das Urteil sei hart, sagte sie, sie denke darüber nach, in Revision zu gehen. Der 15-Jährige befindet sich weiter in U-Haft. Kassandra selbst gehe es körperlich gut, sagte Holger Boden. Die traumatischen Erlebnisse müsse sie jetzt mit Hilfe einer Therapie verarbeiten.

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