49 Tote nach Terroranschlägen in Neuseeland - Mann filmte seine Tat

Mordanklage: Mindestens 49 Tote nach Terroranschlägen in Neuseeland - Mann filmte seine Tat

Mindestens 49 Tote haben zwei Terrorattacken in Neuseeland gefordert. Einer der Täter ist ein rechtsextremer Australier, er hat seine Attacke offenbar selbst live gefilmt.

Nach den Anschlägen auf zwei Moscheen in Neuseeland ist die Zahl der Todesopfer nach Polizeiangaben auf 49 gestiegen. Ein Mann wurde demnach am Freitag offiziell des Mordes beschuldigt. Die Polizei suche nicht nach weiteren Verdächtigen. Die neuseeländische Regierung hatte zuvor von 40 Toten und 20 schwer Verletzten gesprochen.

Die Angriffe ereigneten sich während des Freitagsgebets in der Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum von Christchurch und in einer Moschee im Vorort Linwood. Unklar war zunächst, wieviele Angreifer beteiligt waren. Die Polizei nahm vier Verdächtige fest, darunter eine Frau. An den Fahrzeugen der Angreifer seien Sprengsätze gefunden worden, die von der Armee entschärft worden seien.

Einer der Angreifer filmte offenbar live die Tat. Bei ihm handelte sich nach Angaben des australischen Premierministers Scott Morrison um einen rechtsextremen Australier.

Polizei bittet Video der Tat nicht weiter zu verbreiten

Die Polizei warnt im Zusammenhang damit vor "extrem erschreckenden Bildern" aus einer der angegriffenen Moscheen, die im Internet kursierten. Dabei handelte es sich um Bilder, die der Angreifer selbst gefilmt hatte. Ein kurzhaariger Mann ist dabei zu sehen, wie er zur Masjid-al-Norr-Moschee fährt und dort auf die versammelten Gläubigen feuert. Die Aufnahmen wurden später von den Websites entfernt. Die Polizei rief Internetnutzer auf, das Video nicht weiterzuverbreiten.

Aus einem auf Twitter veröffentlichten Manifest des Australiers geht hervor, dass die Tat rassistisch motiviert war. Zu seiner Radikalisierung hätten die Niederlage der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2017 und der Tod einer Elfjährigen bei einem Lkw-Anschlag in Stockholm beigetragen, schrieb der Autor, der sich als 28-jähriger Australier mit niedrigem Einkommen bezeichnete. Er stammt nach eigenen Angaben aus einer Arbeiterfamilie.

Der "Terroranschlag" sei "gut vorbereitet" gewesen, sagte Regierungschefin Jacinda Ardern am Freitag. Die mutmaßlichen Angreifer seien nicht auf Terrorlisten gewesen.

Die Polizei steht vor einer Moschee im Zentrum von Christchurch. Foto: dpa/Mark Baker

Augenzeugen berichteten, die Opfer seien aus nächster Nähe getroffen worden. Unter den Toten seien vermutlich auch Frauen und Kinder.

Ein palästinensischer Augenzeuge berichtete, er habe gesehen, wie eines der Opfer direkt in den Kopf getroffen wurde. "Ich hörte drei schnelle Schüsse hintereinander, und dann nach zehn Sekunden begann es von neuem", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Es müsse sich um eine automatische Waffe gehandelt haben, sagte der Mann weiter, "niemand kann so schnell den Abzug bedienen".

Wegen der Gefahrenlage rief die Polizei für ganz Neuseeland dazu auf, keine Moschee zu betreten. Die Innenstadt von Christchurch wurde abgeriegelt, Schüler durften ihre Klassenräume nicht verlassen und alle Menschen in Christchurch wurden aufgerufen, nicht auf die Straße zu gehen.

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem "außergewöhnlichen und beispiellosen Gewaltakt". Ihr Land durchlebe gerade einen seiner "dunkelsten Tage".

Politiker weltweit zeigen sich bestürzt und sprechen ihre Beleid aus

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die bewaffneten Angriffe als "brutales Verbrechen" verurteilt. "Wir sind tief erschüttert von dem brutalen Verbrechen in Christchurch", schrieb Maas am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter. "In diesen schweren Stunden stehen wir fest an der Seite unserer neuseeländischen Freunde." Maas sprach den Familien und Freunden der Opfer sein Mitgefühl aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich ebenfalls "tief erschüttert" über den blutigen Anschlag geäußert. "Ich trauere mit den Neuseeländern um ihre Mitbürger, die friedlich betend in ihren Moscheen überfallen und aus rassistischem Hass ermordet wurden", zitierte Regierungssprecher Steffen Seibert Merkel am Freitag in Berlin im Internetdienst Twitter. "Wir stehen Seite an Seite gegen solchen Terror", sagte die Kanzlerin demnach weiter. Nato-Chef Jens Stoltenberg und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerten sich ähnlich.

Auch SPD-Chefin Andrea Nahles zeigte sich erschüttert und äußerte ihr Mitgefühl. "Wer Muslime angreift, greift uns alle an", schrieb sie ebenfalls auf Twitter. "Dieser Hass darf niemals einen Platz bei uns haben - weder in Neuseeland, noch woanders." Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli wertete die Tat auf Twitter als ein Ergebnis der "weltweiten Stimmungsmache gegen den Islam und Muslime".

Türkei-Präsident Erdogan macht die Weltsicht des Westens verantwortlich

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland scharf verurteilt und dem Westen vorgeworfen, nichts gegen wachsende Islamfeindlichkeit zu unternehmen. "Mit diesem Anschlag hat die Islamfeindlichkeit, die die Welt untätig zugelassen und sogar gefördert hat, die Grenzen der individuellen Schikane überschritten, um die Ebene des Massenmords zu erreichen", sagte Erdogan am Freitag.

Die Weltsicht des Mörders breite sich im Westen "wie ein Krebsgeschwür" aus, kritisierte der türkische Präsident bei einer Trauerfeier für eine frühere Ministerin. Wenn der Westen nicht rasch Maßnahmen ergreife, würden "weitere Katastrophen" folgen, warnte er. Er hatte zuvor auf Twitter geschrieben, der Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sei "ein neues Beispiel für die Zunahme des Rassismus und der Islamfeindlichkeit".

Bangladeschs Kricket-Team, das für ein Testspiel gegen Neuseeland in Christchurch war, entkam offenbar nur knapp einem der Angriffe. Ein Sprecher berichtete, einige der Spieler hätten gerade den Team-Bus verlassen und wollten in die Moschee gehen, als der Angriff begann. Sie seien alle sicher, stünden allerdings unter Schock. Das Match wurde abgesagt.

Massive Schusswaffenangriffe sind in Neuseeland selten. Das Land hatte 1992 seine Waffengesetze verschärft, seitdem gelten strikte Regeln für den Erwerb halbautomatischer Waffen. Als eine Konsequenz des blutigen Angriffs erhöhten die neuseeländischen Behörden am Freitag landesweit die Sicherheitsstufe. In Auckland sprengte das Militär sicherheitshalber zwei herrenlose Taschen in der Nähe eines Bahnhofs. Ihr Inhalt stellte sich als harmlos heraus.

(AFP)
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