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150 000 Euro wert: Diebe stehlen beste Brieftaube Deutschlands

150 000 Euro wert: Diebe stehlen beste Brieftaube Deutschlands

Besitzer findet aufgebrochenes Schloss am leeren Schlag. Er setzt 10 000 Euro für die Wiederbeschaffung seines Tieres aus.

Düsseldorf. Ein unscheinbares Grundstück am Stadtrand von Düsseldorf. Im Garten eines Einfamilienhauses steht eine Gruppe hölzerner Taubenhäuser. Schilder am Zaun informieren: Vorsicht, Videoüberwachung. Von diesem Fleck stahlen Unbekannte am vergangenen Wochenende eine einzelne Brieftaube im märchenhaften Wert von 150 000 Euro. Die Diebe ließen gezielt nur das teuerste Tier im Käfig mitgehen.

Seit Dienstag ist das kleine Anwesen belagert von Fernsehteams und Fotoreportern: Der Besitzer der Taube „AS 969“ hat eine Belohnung von 10 000 Euro für die Wiederbeschaffung des unversehrten Tieres ausgesetzt; darüber hat das Polizeipräsidium Düsseldorf informiert. Der Mann lehnt weitere Stellungnahmen ab.

Die verschwundene Brieftaube ist sechs Jahre alt, männlich und in Fachkreisen ein Superstar — wegen ihrer erstaunlichen Flug- und Orientierungsleistungen. Laut früherer Berichte soll sie sich vor vier Jahren über eine Distanz von mehr als 600 Kilometern gegen 3280 andere Tauben durchgesetzt haben.

Für Laien würde das Tier anderen Tauben wohl gleichen wie — ja — ein Ei dem anderen. Die Polizei vermutet daher Kenner hinter der Tat. Die wird übrigens wie hunderte andere vom Einbruchs-Kommissariat untersucht.

Für Christoph Schulte vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter ist jedenfalls klar, dass nur ein Kenner die Taube gestohlen haben kann. „AS 969“ holte laut Schulte den Titel „beste Taube Deutschlands“. Züchter seien durchaus bereit, 150 000 Euro für solch ein Tier hinzublättern.

Ein Weiterverkauf komme für die Diebe allerdings kaum in Frage. Denn um zu verschleiern, wem die Taube wirklich gehört, müssten sie ihr den Ring abnehmen. Ohne ihn lässt sich das Tier aber nicht mehr zuordnen und ist damit praktisch wertlos. Schließlich lasse sich der Wert einer Brieftaube nicht am hübschen Aussehen messen, sondern nur daran, wie erfolgreich die sich bisher auf Wettbewerben in Sachen Schnelligkeit und Orientierungsvermögen geschlagen hat. „Wahrscheinlich wollen die Diebe die Taube für die Nachzucht verwenden“, schätzt Schulte. „Denn mit schnellen Tauben lässt sich viel Geld verdienen.“

Vor allem in Asien sei das Geschäft mit den Brieftauben ein wachsender Markt. Züchter mit dem nötigen Kleingeld kämen eigens nach Europa, um dort seltene Exemplare aufzukaufen. Dass wertvolle Brieftauben aus ihrem Verschlag gestohlen werden, sei nicht ungewöhnlich. Erst neulich seien einem Züchter in Niedersachsen 83 Tauben abhandengekommen. „Die sind zusammengenommen sicher auch 150 000 Euro wert“, sagt Schulte, der davon ausgeht, dass von der Taube „AS 969“ ein genetischer Fingerabdruck vorliegt. „So können Züchter nachweisen, dass der Nachwuchs wirklich von dieser Taube abstammt.“