Velbert: „Zutritt für Hunde verboten“ – aber nicht für die Pfotenpiloten

Velbert : „Zutritt für Hunde verboten“ – aber nicht für die Pfotenpiloten

Kerstin Griese (SPD) wirbt für Akzeptanz von Assistenzhunden.

Seit gestern prangt am Eingang des ­Willy-Brandt-Zentrums der SPD in Velbert ein Aufkleber: „Assistenzhunde willkommen“. Was es mit der gleichnamigen Kampagne auf sich hat, erläutert Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese: „Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie wichtig das Thema ist. Für Blindenhunde gibt es heute Regelungen, für Assistenzhunde noch nicht.“ Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales möchte daher erreichen, dass für diese Vierbeiner ebenfalls klare gesetzliche Regeln erlassen werden, auch für Ausbildung und die Beteiligung der Krankenkassen, die heute bereits für Blindenhunde aufkommen.

Speziell ausgebildete Assistenzhunde können zum Beispiel Schwerbehinderte unterstützen: „Das geht bis zum Beladen von Spül- oder Waschmaschine“, so Griese, oder indem sie bei Diabetespatienten oder Allergikern Blutzuckerschwankungen beziehungsweise Allergene erschnüffeln und Krisen frühzeitig anzeigen, so dass die Betroffenen Gegenmaßnahmen ergreifen können.

Wie das in der Praxis funktioniert, erleben die Teilnehmer von Grieses Pressekonferenz, bei der Julia Standke den Verein Assistenzhunde NRW als Vorsitzende vertrat. Cali, ihre belgische Schäferhündin, wurde plötzlich unruhig und stubste ihr Frauchen mehrmals an. Die sechsjährige Hundedame reagiert sofort, wenn Standke ein Epilepsieschub bevorsteht. Falls sie nicht umgehend reagiert, fange Cali an zu fiepen, springe sie an, dann versuche sie, Mitmenschen auf sich aufmerksam zu machen, erläuterte die 24-Jährige, während sie ein Medikament einnahm.

„Blindenführhunde gibt es seit mehr als 100 Jahren. Assistenzhunde sind dagegen kaum bekannt“, sieht Roswitha Warda vom Verein Allianz Pfotenpiloten großen Aufklärungsbedarf.

Entsprechend groß sei oft das Unverständnis, insbesondere wenn die körperliche Einschränkung der Betroffenen nicht erkennbar sei. Wenn diesen bei Geschäften, Restaurants, Behörden oder anderen Einrichtungen der Zutritt verwehrt werde, bedeute das für die Betroffenen, dass sie nicht am Leben teilnehmen dürften.

Doch selbst mit Blindenführhund sei es schwierig, berichtet Marion Höltermann des Blinden- und Sehbehindertenvereins Ratingen von Erlebnissen mit ihrer Königspudelhündin Farah, die für sie unerlässliches Hilfsmittel ist. Ob Bus, Geschäft oder manche Arztpraxis: „Oft wird nach Argumenten gesucht, damit der Hund nicht reinkommt.“ Höltermann wünscht sich daher mehr Akzeptanz, wie es sie durchaus gibt: Ihre Ärzte kann sie mit Ausnahme des Zahnarztes mit Blindenhund besuchen, ebenso die Heilige Messe in ihrer Gemeinde. Auch zwei Krankenhäuser in Ratingen darf sie inzwischen mit Farah betreten.

Den Aufkleber „Assistenzhunde willkommen“ und eine Broschüre gibt es ab sofort im Willy-Brandt-Zentrum der SPD an der Schloßstraße 2.

pfotenpiloten.org