Youtuber Rezo in Düsseldorf: Generationskonflikt im Internet?

Der bekannte Youtuber in Düsseldorf : Auf Tuchfühlung mit Youtuber Rezo

Der Mann, der vor der Europawahl die CDU in Bedrängnis brachte, erzählt von seiner Sieben-Tage-Woche und dem modernen Konflikt der Generationen.

In der Schlange vor dem Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses warten ein paar Jugendliche gespannt auf ihren Star. „Ist Rezo schon da?“ wollen sie wissen. Der Band-Musiker und Youtuber, der für sein Video „Die Zerstörung der CDU“ zur Europawahl im Mai über Millionen Clicks im Netz erntete, genießt in der jungen Generation Kult-Status. Von Weitem erkennen sie dann seine Markenzeichen: leuchtend blau gefärbte Punk-Tolle, graue Baseball-Kappe, T-Shirt, Jeans und Milchbubi-Gesicht.

Als Kind heimlich gesurft, die Schwester stand Schmiere

Bereits vor seinem Durchbruch mit dem berühmt berüchtigten Film hatte der (nach eigenen Angaben) 27-Jährige seine Beteiligung an einer Podiumsdiskussion in der Landeshauptstadt zugesagt. Titel „Knackig kurz statt tiefgründig? – Bildung in Zeiten von Youtube, Gaming & Co.“

Geladen hat die Bildungs-Abteilung des evangelischen Kirchenkreises. Neben Rezo diskutieren Düsseldorfs OB Thomas Geisel, Spiele-Entwickler und Theologe Armin Josua, Medienpädagoge Andreas Mertin und Theologie-Professor Bernd Beuscher über geeignete Methoden im Umgang mit Digitalem. Themen sind die manchmal lähmende Angst vor dem Internet, besonders in der älteren Generation. Und die Frage „Welche Rolle spielen klassische Medien wie Bücher, TV und Printmedien in der Bildung im digitalen Zeitalter?“

Bei dem von Daniel Schneider moderierten Gespräch kann Rezo, der vor einem Jahr an der Dortmunder Uni seinen Master in Informatik mit 1,0 abschloss, neben all’ den Fachleuten bestehen. Entspannt, aber konzentriert, stets freundlich, manchmal mit einem Lächeln und Selbstironie.

Viel habe sich nach seinem Video im Mai nicht verändert, untertreibt er. „Die erste Phase war stressig,“ gibt er zu. Und erzählt von seiner Sieben-Tage-Woche. Kein Urlaub. Sein Gesicht – a bissel blass. „Wenn ich nicht schlafe, arbeite ich“, sagt er. „Krasser Job“ sei das. „Ich mach’s aber gerne. Ich muss nicht, es ist geil.“ Mittlerweile „quatsche ich viel mit Politikern und produziere ein Video pro Woche.“

Seine erste Erfahrung mit dem Internet im Elternhaus? „Eine Stunde pro Woche durfte ich als Junge ins Netz. Der Rechner stand im Wohnzimmer. Das war immer abgeschlossen“, erzählt er. Dann habe er einen Dietrich gebastelt, die Tür geöffnet und heimlich im Internet gesurft, während seine Eltern im Gottesdienst waren. „Meine Schwester passte am Fenster auf“. Sie stand dann immer Schmiere.

Seine ersten Youtube-Videos drehte er mit seiner Band. „Death Metal“. Das war Sub-Sub-Sub-Kultur. Er schmunzelt: „Wollte eh keiner hören.“

Wie er sich bildet? Presse-Bubbles zur Information. Für seine Uni-Arbeit: „Viel Papier lesen – wie man eben wissenschaftlich arbeitet.“ Internet sei kein Ponyhof, das müssen 15-jährige doch wissen“, meint einer der Experten. Die meisten Jugendlichen hätten aber nicht den Mut, selbst etwas zu produzieren. „Da bin ich weit weg von Euch“, kontert Rezo lässig. Und verweist auf die vielen Fan-Storys und Bilder, die er von Unter-20-Jährigen erhalte. Das Problem: „Die älteren Nutzer kennen weder Tools noch die richtigen Knöpfe. Sie wissen nicht, wie man einen coolen Schnitt machen kann.“ Ein Generationskonflikt im Internet? Liegt nahe.

Leidenschaftlich wird der Youtube-Star, wenn es um Freitagsdemos der Jugend geht. „Junge Leute gehen auf die Straße ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Warum machen das nicht auch die Älteren?“ fragt er. „Wenn ich in Rente bin, dann habe ich doch die Zeit dafür.“

Lob bekommt Rezo vom Theologen Beuscher: „Wie er arbeitet, das ist protestantische Arbeit par excellence.“ Er habe eine gute Bildung und produziert, ohne auf persönliche Konsequenzen zu achten. Am Ende bleibt nur Zeit für eine Frage. Der Junge Corby will wissen: „Wie wird man so erfolgreich wie Du?“ Rezo: „Erstens Glück, zweitens arbeiten, ballern, Nächte lang durchackern.“ Unsicher ist er aber, ob er das der Jugend empfehlen kann. „Vielleicht hätte ich weniger arbeiten, stattdessen mehr Zeit mit meinen Freunden verbringen sollen.“

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