Menschen aus Düsseldorf : Liebeserklärung an einen Stadtteil

45 Jahre Reiterverein, 40 Jahre Schützenverein in Niederkassel: Britta Damm blickt zurück – und kramt in ihrem Foto-Archiv.

Seit dem elften Lebensjahr gehört Britta Damm dem Reiterverein Niederkassel 1949 an, fünf Jahre später folgte die Mitgliedschaft beim St. Sebastianus Schützenverein Niederkassel 1890. „40 und 45 Jahre Zugehörigkeit – das ist Grund genug, ein wenig zurückzublicken“, findet die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützenvereine.

„Als zugereister Rotzlöffel kam ich 1974 von meinem Geburtsort Derendorf nach Niederkassel in den Reitstall von Hans Vossen an der Euskirchener Straße. Hier lernte ich Menschen kennen, die mich in Obhut nahmen – ich war behütet, auf mich wurde aufgepasst“, erinnert sich Britta Damm.  Das war für die damals Elfjährige neu. Ihren Vater hatte sie im Alter von 18 Monaten bei einem Autounfall verloren, die Mutter war berufstätig und alleinerziehend. Aber an ihrer Passion, reiten zu wollen, hat Britta immer festgehalten. Schließlich brachte sie der Reitsport dann auch zu den Schützen.

Wie wichtig ihr der Rückblick auf den Beginn der Zeit in Niederkassel ist, beweist diese Liebeserklärung: „Niederkassel ist meine Heimat, mein Hafen. Die Menschen hier – auch wenn sie nicht mehr vor Ort wohnen – sind meine Freunde.“ Zum Teil stammen diese Kontakte aus der frühen Zeit im Reitstall – Ulla Pütz beispielsweise, die noch heute eine der besten Freundinnen ist, hat sie dort kennengelernt: „Wir waren eine Mädchen-Gang. Und obwohl ich ein ziemlich wildes Kind war, haben wir uns nie danebenbenommen. Darauf wurde geachtet.“

Damm empfindet „Demut, auf einem Pferd sitzen zu dürfen“

Das Reiten aber war „das Wichtigste überhaupt – ich hätte alles dafür geopfert.“ Meist kam sie mit dem Bus aus Derendorf über den Rhein, hat bei Niggenabers die Schweine gefüttert oder bei Pütz auf den Feldern mitgearbeitet, um die Reitstunden zu finanzieren. „Als ich das erste Mal im Stall war, hatte meine Mutter verloren. Ab diesem Tag waren die Pferde mein Lebensmittelpunkt“, erinnert sich Britta Damm. Als Kind stand sie viele Stunden auf einem Betonklotz links am Hallentor, um die Übersicht zu haben und vielleicht die Möglichkeit zu bekommen, ein Pferd trocken zu reiten: „Noch heute empfinde ich eine gewisse Demut, auf einem Pferd sitzen zu dürfen.“

1988 erarbeitete sie sich den Trainerschein für Leistungssport und 2018 den Richterschein. Aber die Erinnerung an die erste Reitbeteiligung an einem Privatpferd, die Teilnahme an Dressur- und Springturnieren, die Zeit als Jungschützenkönigin in Büderich (und damit erstes Mädchen auf diesem Posten) und die wenig schützende Ausrüstung im Vergleich zu heute ist geblieben. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Zeit im Niederkasseler Schützenverein ein – 21 Jahre war sie im Vorstand aktiv und elf Jahre Schützenchefin: „Dass dieses Amt in weiblicher Hand lag, war sehr ungewöhnlich. Aber Niederkassel ist häufig Vorreiter in Sachen Toleranz und Offenheit.“

Britta Damm ist sicher, dass ihr Leben ohne Niederkassel nicht so gut verlaufen wäre. Schließlich hat sie hier beim Reiten auch ihr „Schwungrad des Herzens“ und damit Thomas Damm kennengelernt: „Unser Regimentskönigsjahr 2000/01 und die Zeit als Tonnenbauernpaar 2014/15 der Tonnengarde Niederkassel bleiben unvergessen.“ Sie ist stolz darauf, der starken Gemeinschaft in diesem linksrheinischen Düsseldorfer Stadtteil anzugehören: „Danke für 40/45 Jahre Niederkassel.“