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Wuppertalerin fürchtet Ansteckung mit Corona durch zu volle Schulbusse

Kerstin van der Wals gehört mit einer schweren Herzkrankheit zur Risikogruppe – sie bringt ihre Tochter zur Schule : Wuppertalerin fürchtet Ansteckung mit Corona durch zu volle Schulbusse

In der Corona-Krise ist Abstand halten eine der wichtigstens Regeln. Das wird in Schulbussen jedoch ignoriert. Darunter leidet eine schwerkranke Wuppertalerin.

Kerstin van der Wals freut sich eigentlich, dass ihre Tochter Finja (12) wieder in die Schule gehen kann. Doch der Weg dorthin bereitet der Mutter große Sorgen. Denn Kerstin van der Wals ist herzkrank und gehört zur Corona-Risikogruppe. Außerdem leidet die 41-Jährige seit 13 Jahren unter Gliedergürtelmuskeldystrophie und sitzt deshalb im Rollstuhl. Sie muss während der Corona-Pandemie besonders vorsichtig sein und sich strikt an alle Hygiene- und Abstandsregeln halten.

Doch genau diese würden in den Schulbussen kaum eingehalten werden können. Zwar werde die Maskenpflicht kontrolliert, doch seien die Busse oft schon nach den ersten Haltestellen hoffnungslos überfüllt. An Abstand halten denke niemand. Stattdessen müssten viele Schüler auf der 40-minütigen Fahrt von Cronenberg zur Gesamtschule Erich-Fried in Ronsdorf stehen, berichtet van der Wals. Deshalb lässt sie ihre Tochter Finja nicht mehr mit dem Schulbus fahren: „Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus ist viel zu groß.“

WSW reagieren gelassen
auf überfüllte Schulbusse

Die Wuppertaler Stadtwerke reagieren gelassen auf die Kritik. „Das Schulbusse voll sind, das ist nun einmal so“, sagt Pressesprecher Rainer Friedrich. „In den ersten Tagen nach dem Schulbeginn ist es immer etwas voller.“ Man beobachte die Situation genau. Friedrich nimmt aber auch die Schulen in die Pflicht. „Es gab Probleme bei einigen Schulen mit der Rückmeldung des Bedarfs.“

Die Erich-Fried-Gesamtschule in Ronsdorf hätte ihren Bedarf jedoch rechtzeitig gemeldet, so dass laut Friedrich dort „ein Standard-Angebot eingesetzt wurde“.

Dass nicht jeder Schüler einen Sitzplatz erhalten kann, dagegen könnten die WSW nichts tun. In Bezug auf die Abstandsregeln gebe es das gleiche Problem. „In Bussen kann kein Abstand gehalten werden. Deshalb gibt es die Masken-Tragepflicht.“ Ein weiteres Problem sei, dass die WSW nicht unbegrenzt Busse zur Verfügung hätten. Zumindest im Nachmittagsbereich habe es im Schülerverkehr aber schon Anpassungen gegeben.

Das reicht der schwerkranken Mutter jedoch nicht aus. „Die Angst vor einer Ansteckung mit Corona ist riesengroß“, so van der Wals. „Maske tragen reicht doch nicht aus, wenn die Kinder dicht gedrängt im Bus stehen. Vor den Aerosolen können die Masken uns nicht schützen“, warnt van der Wals, deren Tochter Finja eine FFP2-Maske trägt und die mit ihrer Familie auch zu Hause gezwungenermaßen Abstand halten muss.

Die besorgte Mutter wünscht sich ein Eingreifen der WSW und hofft auf den Einsatz weiterer Busse. „Wenn mehr Busse eingesetzt werden, können die Kinder wenigstens teilweise Abstand halten und setzen sich dann vielleicht neben ihren Schulfreund, statt Kopf an Kopf gedrängt zu stehen.“

Die WSW wollen die Lage „vorerst weiter beobachten und bei Bedarf reagieren“, sagt Rainer Friedrich. So lange kann Kerstin nicht warten. Sie hat sich jetzt mit ihrer Nachbarin Ina Jorde zusammengetan, da sie ihre Tochter aufgrund ihrer Erkrankung nicht jeden Tag zur Schule fahren könne. Die beiden Mütter wechseln sich jetzt ab, auch wenn das für Ina Jorde viel Stress bedeute. „Wir fahren dann alle mit Maske und geöffneten Fenstern im Auto zur Schule, doch dort erwartet uns ein totales Verkehrschaos. Außerdem bin ich deshalb schon häufiger zu spät zu meiner Arbeit gekommen, denn der Verkehr ist furchtbar.“

Dass immer mehr Eltern ihre Kinder nicht mehr mit den überfüllten Schulbussen fahren lassen, sondern sie mit dem Auto zur Schule bringen, hat auch Schulpflegschaftsvertreter Rüdiger Bein festgestellt. Das Verkehrsproblem sei die logische Konsequenz daraus. Bein würde sofort mehr Busse einsetzen lassen, doch sind die Schulen nicht verantwortlich, sondern in erster Linie die Stadt. Bein fordert Lösungen und hat auch einen konkreten Vorschlag. „Die Stadt könne doch Reisebusse einsetzen.“ Laut Bein sind „viele Reisebusunternehmen aktuell nicht ausgelastet und hätten genügend Kapazitäten frei. Doch das würde die Stadt ja viel Geld kosten.“

„Vor der Corona-Krise gab es auch schon überfüllte Busse, doch da hat es niemanden interessiert“, kritisiert Rüdiger Bein.