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Zwei Wuppertaler Experten für Tarifverhandlungen verabschieden sich

Arbeitgeberverbände : Ein bewährtes Duo nimmt Abschied

Die beiden langjährigen Geschäftsführer der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände Frank R. Witte (Sprecher) und Klaus-Peter Starke treten zum 1. April ihren altersbedingten Ruhestand an.

Die Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände e. V. (VBU) steht vor einem personellen Umbruch auf der Geschäftsführerebene. Die beiden langjährigen Geschäftsführer Frank R. Witte (Sprecher) und Klaus-Peter Starke treten zum 1. April ihren altersbedingten Ruhestand an, die Sprecherfunktion wird von Prof. Wolfgang Kleinebrink weitergeführt, der ab dem 1. April von den zukünftigen Geschäftsführern Michael Schwunk und Uwe Kirchhoff auf der Leitungsebene unterstützt wird.

Rund 600 Unternehmen mit 70 000 Arbeitnehmern werden über drei Geschäftsstellen in Wuppertal, Solingen und Mönchengladbach von der VBU insbesondere in Rechts- und Tariffragen betreut. In vielen Unternehmen wird man die langjährigen Geschäftsführer der VBU als vertraute Ansprechpartner mit einer großen Expertise vermissen.

 Rechtsanwalt Frank R. Witte arbeitet seit 1984 für die VBU, seit 2007 ist er als Sprecher der Geschäftsführung tätig. Klaus-Peter Starke vertritt seit 1994 die Interessen und Positionen der in der Verbandsgemeinschaft zusammengeschlossenen Unternehmen. Und angesichts dieser großen Zeitspanne ist es folgerichtig, dass sich der Rückblick auf ihre Arbeit im Verband nicht auf das zurückliegende Coronajahr 2020 beschränkt, das in vielerlei Beziehungen eine Ausnahme darstellt.

„Zu zwei Dritteln waren es schwierige Zeiten, dann kamen zehn gute Jahre, bevor die Coronakrise alles noch einmal verändert hat“, fasst Frank R. Witte die zurückliegenden Jahrzehnte im Zeitraffer zusammen. Der Strukturwandel sei in Wuppertal wie im Bergischen Land über viele Jahre das beherrschende Thema gewesen. „In meinen ersten Gerichtsverfahren und Firmenberatungen für die VBU standen Vorruhestandsregelungen und Frühverrentungen im Mittelpunkt“, erinnert sich Witte.

Die VBU vertritt neun Tarifträgerverbände, die alleine oder durch Einbindung in Tarifgemeinschaften Tarifverträge mit Gewerkschaften aushandeln und abschließen: Metall, Chemie, AGV Solingen, Großhandel, Textil, Kalk, Papierverarbeitung, Leder und Transport. Möglich ist aber auch eine Mitgliedschaft von Unternehmen, die dezidiert keine Bindung an einen Tarifvertrag wünschen, und die im Verband von Arbeitgebern im Bergischen Land e.V. (VABI) zusammengeschlossen sind.

Tarifverhandlungen sind
das Kerngeschäft der VBU

Bei den Tarifverhandlungen sitzen Frank R. Witte und Klaus-Peter Starke seit Jahren für die Arbeitgeberseite mit am Tisch. Dass die IG Metall aktuell zum Arbeitskampf aufruft, stößt bei Klaus-Peter Starke auf Kritik. „Ich bin schon erstaunt, dass man in diesem Jahr auf Mittel des Streiks zurückgreifen will, denn die wirtschaftliche Situation hat sich im Verlauf der Corona-Krise nur leicht verbessert, und der Strukturwandel in der Automobilindustrie steht erst am Anfang“, so Starke, der seine Laufbahn beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger begann und 1988 zum Textilverband Mönchengladbach wechselte. „Spezifische Abschlüsse, die auch zur Branche passen, das ist uns im Bereich Textil gelungen“, sagt Klaus-Peter Starke.

Frank R. Witte verweist darauf, dass die Komplexität der Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften im Laufe der Jahrzehnte enorm zugenommen habe. Die Ausweitung auf immer mehr Themenbereiche sieht er kritisch.

„Die Grundbedürfnisse sind befriedigt. Die Gewerkschaften suchen nach neuen Betätigungsfeldern, die mit dem Arbeitsplatz im eigentlichen Sinne nichts zu tun haben, sondern sich zum Beispiel dem Thema Pflegeversicherung zuwenden. Die Sozialpartner sind aber keine Ersatzgesetzgeber für alle Lebenslagen“, so Witte. Beim Thema Mindestlohn sollten die Tarifpartner keine Lücke lassen, sonst werde dies in Wahlkämpfen zum Thema gemacht, warnt Klaus-Peter Starke.

Dass die generelle Rechtsberatung zu einer immer anspruchsvolleren Tätigkeit für die sieben Juristen in der Geschäftsstelle an der Wettinerstraße geworden ist, zeige allein schon der Blick auf das Standardwerk „Arbeitsgesetze“, die sogenannten Beck-Texte.  „Als ich als Jurist bei der VBU begonnen habe, war das Buch rund 220 Seiten dick, jetzt sind es über 1000 Seiten und es liegt die 98. Auflage vor“, sagt Frank R. Witte schmunzelnd.

Das Datenschutzrecht sei inzwischen auf 750 Seiten angewachsen. Die Informationsflut zu kanalisieren, sei eine ihrer Aufgaben. „Wir müssen mit Leistung überzeugen, nur dann bleiben die Mitgliedsunternehmen uns treu.“

Die große Mehrheit sind mittelständische Unternehmen, denen der eingetragene Verein VBU als Sprachrohr in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen dient. Die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit der VBU spiele gerade in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie eine wichtige Rolle.

„Da haben wir enorm viel informiert und den Unternehmen geholfen. Inzwischen sind alle unsere Veranstaltungsformate digital“, sagt Klaus-Peter Starke. Der Bergische Unternehmertag in der Stadthalle wird in diesem Jahr nicht stattfinden. 2022 ist dann mit dem neuen Sprecher der Geschäftsführung, Prof. Wolfgang Kleinebrink, eine Wiederaufnahme geplant.