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Zwei Urgesteine sagen servus

Zwei Urgesteine sagen servus

Abschied: Der Kreishandwerkschef Frank Seynsche und Dieter Ehlhardt treten zurück. Zum Abschied gab’s neben Blumen nochmal richtig Zoff.

Wuppertal. Sein Haar ist weiß, aber voll wie eine Löwenmähne. Ganz so, als wollte es verkünden, dass dem alten Kämpfer jugendlicher Biss und Tatendrang geblieben sind. Mit der Wahl des neuen Vorstands am vergangenen Montag trat Kreishandwerksmeister Frank Seynsche, Urgestein des Metiers und der Stadt, von seinem Amt zurück. Auch sein langjähriger Stellvertreter Dieter Ehlhardt, ebenso Mann der Tat und mehrfacher Würdenträger, stellte sich nicht mehr der Wahl.

Mit den beiden endet eine Ära, an ihre Stelle rücken Glasermeister Arnd Krüger und Friseurmeisterin Carmen Langowski.

Wer nach Seynsche und Ehlhardt im Internet fahndet, wird ausnahmsweise mal nicht fündig, um so mehr aber im "inoffiziellen Stadtarchiv": im Herzen der Bürger und ihrem reichen Schatz an Erzählungen. Denn der Kreishandwerksmeister und sein Stellvertreter verstanden sich trefflich darauf, die Dinge an der Basis anzupacken, Probleme im offenen Gespräch zu klären, statt sie auf eine entrückte, unpersönliche Ebene zu heben.

So erstaunte es dann auch nicht, dass Seynsche bei seiner Abschiedsrede nicht nur in Erinnerungen schwelgte, sondern dem anwesenden Oberbürgermeister Peter Jung noch einmal die Leviten las. Die Feinstaubplakette stieß ihm auf, das zähe Fortkommen beim bergischen Städtebund lag ihm im Magen, ein Verkehrs konzept vermisste er und schüttelte den Kopf, dass glänzende Pläne wie die Nordbahntrasse dann wieder aus eigenen Reihen torpediert werden.

"Passiert das alles nur uns in Wuppertal?", fragte sich Seynsche. "Herr Oberbürgermeister, wir brauchen mehr Mut, auch mal Fehler einzugestehen." Jung konterte freilich ebenso streitbar, verwies unter anderem darauf, dass vieles nicht in Wuppertal, sondern in Brüssel entschieden werde und nur wenige erkannt hätten, dass die fähigsten und nicht die kraftlosesten Politiker dorthin gehören.

Was ein ehrender Abschied werden sollte, geriet flugs zur verbalen Rauferei, die einen Fremden irritiert und zu falschen Schlüssen veranlasst hätte. Aber Seynsche gestand: "In vielem hat er ja Recht." Dabei vergaß er nicht, seinem Nachfolger einen Rat auf den Weg zu geben. "Machen Sie es eines Tages wie ich und verabschieden sich früh genug." In den Ruhestand geht Seynsche allerdings nicht, sondern bleibt Vorsitzender der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft mit Sitz Berlin. Wird er also Wuppertal verlassen?

"Ich hatte es mir schon überlegt, aber ich werde bleiben."