Zu Demokratie gehört Meinungsbildung

Zu Demokratie gehört Meinungsbildung

Die Jahrgangsstufe zwölf der Else Lasker-Schüler-Gesamtschule beschäftigt sich mit Informationen aus Zeitungen und Sozialen Medien.

Wie gehe ich mit Informationen aus einer Zeitung, aus Sozialen Medien, aus dem Radio um? Was bedeutet Meinungsfreiheit im Alltag? Solchen Fragen widmeten die Zwölftklässler der Gesamtschule Else Lasker-Schüler einen Schultag. Die Politiksprecher Demokratiebildung hatten zum Projekttag „Mean it! Sprechen Sie eigentlich Demokratisch?“ eingeladen. Der war Teil der Reihe „Politik — was geht mich das an?“, die seit sechs Jahren an der Schule stattfindet. Denn zur Demokratie gehört Meinungsbildung.

„Wo informiert ihr euch?“, wollte Marcus Kiesel von den Schülern wissen. Nur einer meldete sich bei den Sozialen Medien, wenige bei Tageszeitungen. Der Rest blieb stumm. Dass in Sozialen Netzwerken die Diskussion oft wenig mit Meinungsfreiheit zu tun hat, schien den meisten Schülern bewusst. „Ich habe dort einmal mit jemandem diskutiert und die wurden schnell beleidigend“, erzählte eine Schülerin.

Auch mit Zeitungen setzten sich die Schüler auseinander: Die Moderatoren hatten einen Artikel aus der Zeit und einen aus der Jungen Freiheit zur Regierungskrise ausgeteilt. In Gruppenarbeit sollten die Schüler entscheiden, ob die Texte bewertend seien und wie viele Infos sie enthalten. „Das ist sehr wertend“, „der will mich manipulieren“, befanden die Schülerinnen bei beiden Artikeln, obwohl diese von ihrer Art und von ihrem Informationsgehalt stark unterschiedlich waren. „Ich finde, dass diese Texte nicht viel zur Meinungsbildung beitragen“, urteilte eine Schülerin.

Kiesel rief die Schüler dazu auf, im Zweifel Hintergründe zu recherchieren und bei Unstimmigkeiten nachzuhaken: „Nehmt nicht einfach alles Geschriebene hin!“ Zur Meinungsfreiheit gehört auch der Mut, diese zu äußern. Ganz nebenher machte das Helge Eikelmann deutlich, als er die Jugendlichen nach ihrer Religion fragte: Nur ein oder zwei outeten sich als Anhänger des Christentums, einige als Muslime, eine Hinduistin und wenige Atheisten. Die große Mehrheit jedoch hatte offenbar zu Religion gar keine Haltung.

Aber ist Religion Privatsache oder sollte sie öffentlich diskutiert werden? „Ich werde oft in Diskussionen gedrängt und muss mich rechtfertigen“, sagte ein Mädchen mit Kopftuch. „Gewisse Medien drehen das gerne um — so steht man schnell als der Böse da“, fand ein Muslim. „Aber wir müssen die Religion in der Gesellschaft diskutieren, damit man den anderen versteht“, argumentierte ein anderes Mädchen.

Die Moderatoren drängten den Schülern keine Meinung auf, sondern regten nur zum Nachdenken an. Dann gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema Meinungsfreiheit. Die Polizisten Detlev Rüter und Maxine Herder, Olaf Kupfer, der stellvertretende Ressortleiter des WZ-Plus-Teams, Historiker Peter Keup, Jens Voss von Radio Wuppertal und Beate Haude von der Evangelischen Kirche sowie Lehrer Silvio Geßner antworteten auf Fragen.

Beate Haude forderte zum Mut auf, um andere Meinungen gelten zu lassen. Jens Voll wünschte sich weniger Emotionen in den Debatten. Olaf Kupfer erklärte die wichtige Trennung in der Zeitung zwischen Artikel und Kommentar, damit persönliche Meinungen klar gekennzeichnet sind. Warum das Kopftuch bei Polizistinnen nicht im Dienst erlaubt ist, versuchte Detlev Rüter zu erklären.

„Die Schüler haben Politik praktisch erfahren“, erzählte Lehrer Silvio Geßner. „Es gilt, den ,Stammtischparolen’ Paroli zu bieten und sie im Nirwana verschwinden zu lassen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung