Zu Besuch im „Atadösken“

Zu Besuch im „Atadösken“

Zum heutigen Tag des Wassers warf die WZ einen Blick ins Innere von Wuppertals ältestem Wasserturm, der noch in Betrieb ist.

Schon mal was vom Wasserturm am Pfaffenhaus gehört? Diese Frage dürften die meisten Wuppertaler wohl eher mit „Nein“ beantworten. Dabei ist das rosafarbene Bauwerk sicher eines der markantesten der Stadt — aber unter seinem Spitznamen deutlich bekannter: Atadösken. So heißt der 43,5 Meter hohe Turm an der Hainstraße nämlich in Anlehnung an die früher gebräuchliche Behälterform für das Scheuermittel Ata. Zum heutigen Tag des Wassers öffneten die WSW für die WZ die Tür des ansonsten streng abgeschirmten Behälters.

Foto: Stefan Fries

Mostapha Laazizi (WSW) über den Wasserturm am Pfaffenhaus, wie das Atadösken offiziell heißt

Ein Zaun grenzt den denkmalgeschützten Turm von den Nachbargebäuden ab. Auch Fotos sind nicht an allen Stellen erlaubt. Warum die Geheimniskrämerei? „Trinkwasser ist ein wichtiges Gut“, sagt Margit Herkenrath von den WSW. Zuviel wollen die Stadtwerke deshalb nicht preisgeben und verweisen auf Sicherheitsauflagen.

Was im Inneren auffällt, sind erst einmal die Treppen. Früher mussten die WSW-Mitarbeiter sie immer hochstapfen. Seit der Sanierung in den 1990er Jahren gibt es aber einen Aufzug, wie Mostapha Laazizi, Beauftragter der WSW für Förder- und Speicheranlagen, erklärt. Drei aktive Wassertürme gibt es in der Stadt noch (siehe Kasten), die für genügend Wasserdruck auf den Höhen sorgen sollen. Das Atadösken ist mit Abstand der älteste.

„Er hat einfach Charme“, sagt Laazizi lächelnd. 1927 war der Wasserturm am Pfaffenhaus erbaut worden — auf einem quadratischen Grundriss, was damals schon eher ungewöhnlich war. Aus heutiger Sicht fällt er sogar noch mehr auf, vergleicht man ihn mit seinen „Kollegen“ auf Lichtscheid und Hatzfeld, die wie ein Ufo aussehen. Das Atadösken, räumt Laazizi ein, sei schon schöner. „Und so stabil gebaut. Gucken Sie nur mal auf den Ziegelbau.“

Direkt an den Turm sind übrigens noch Häuser angebaut. Die Nachbarn: aktive oder ehemalige WSW-Mitarbeiter. Früher habe das den Vorteil gehabt, dass die mal schnell nach dem Rechten schauen konnten. Heute übernimmt das eher die Technik. An der Messstation plätschert es unaufhörlich, das einzige Geräusch, das eigentlich im Inneren des Turms zu hören ist. Ansonsten ist es ruhig, auch Besuch gibt es eher selten. Alle vier Wochen nimmt das Bergische Wasser- und Umweltlabor eine mikrobiologische Untersuchung des Wassers vor, das, wie Laazizi und und Herkenrath betonen, aber ohnehin unter einer Art Dauerkontrolle steht: Verändern sich die Werte, was eigentlich nur externe Gründe haben kann, werde direkt eingegriffen. „Bisher kam das aber noch nie vor“, sagt Laazizi. „Und ich arbeite jetzt seit 18 Jahren hier.“

Alle zwei Jahre steht dann eine Reinigung des Turms an. Dabei geht es dann weniger um das Wasser, sondern mehr um die Beschichtung des Behälters. Es werde geschaut, „wie verhält sich die“, erklärt Laazizi. Auch dabei gab es bislang keine Auffälligkeiten.

Dass das Atadösken einmal das Schicksal seiner außer Dienst gestellten „Kollegen“ ereilt, scheint indes unwahrscheinlich. Auch wenn im Laufe der Jahre die Zahl der Türme sank und sank, betont Herkenrath: „Wir können nicht mehr viel reduzieren.“

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