Zoo: Drama um ein Dromedar

Zoo: Drama um ein Dromedar

Nach einem Paarungsversuch konnte Weibchen Salina (13) nicht mehr aufstehen. Ob es zu retten ist, ist unklar.

Wuppertal. Es waren Mitleid erregende Szenen, die sich am Mittwochnachmittag vor den Augen zahlreicher Besucher im Zoo abspielten: Die 13 Jahre alte Stute Salina konnte aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen. Zoo-Tierarzt Arne Lawrenz und mehrere Pfleger versuchten über Stunden, das etwa 800 Kilo schwere Tier mit Hilfe von Gurten und einem Radlader wieder aufzurichten. Doch offenbar waren Salinas Schmerzen zu groß: Die Stute schrie, biss und schlug — am Ende konnten Lawrenz und seine Helfer nicht anders, als Salina zu narkotisieren und auf einer Plane in ihren Stall zu schleppen.

Dort lag das Tier am Donnerstag immer noch — zwar im Warmen und Trockenen, doch immer noch unter so starken Schmerzen, dass es nicht aufstehen konnte. Die Lage ist ernst: „Wenn sie nach spätestens drei Tagen nicht wieder steht, müssen wir sie einschläfern“, sagte Arne Lawrenz auf Nachfrage der WZ.

Dem Drama vorausgegangen war ein Paarungs-Versuch von Dromedar-Hengst Abdul — womöglich ist das fünf Jahre alte Tier dabei zu stürmisch vorgegangen. Bei Dromedaren sind Paarungs-Rituale nach Auskunft von Zoodirektor Ulrich Schürer häufig mit recht ruppigen Dominanz-Kämpfen verbunden — so musste Abdul selbst von Salina und der ebenfalls älteren anderen Dromedar-Stute des Zoos seinerseits einiges einstecken, nachdem der Hengst 2007 in den Zoo gekommen und seinen Mitbewohnerinnen zunächst körperlich nicht gewachsen war.

Fakt ist: Seit der Balz vom Mittwoch kann Stute Salina ihr rechtes Hinterbein nicht belasten. Zu lange liegen darf Salina aber nicht — die gesundheitlichen Folgen für die geborene Langstrecken-Rennerin wären fatal: „Ihr Kreislauf sackt ab, und bei ihrem Gewicht werden die Beine unbrauchbar, wenn sie zu lange darauf liegt“, erläuterte Lawrenz am Donnerstag. Ein Leben ohne Bewegung — für ein Dromedar wäre das nichts als ein Elend, betont der Tierarzt.

Dennoch gibt es Hoffnung: „Wir konnten keinen Bruch des Beins feststellen“, so Lawrenz, Außerdem habe Salina am Donnerstag gefressen. „Wenn lediglich eine Nervenschädigung vorliegt, könnte Salina sich wieder vollständig erholen.“ Einstweilen bekommt das Dromedar Infusionen — etwa mit Vitaminen und Elektrolyten. Dazu kommen weitere Medikamente, etwa um den Kreislauf der Stute zu stabilisieren. Lawrenz: „Wir tun, was wir können.“ Und wenn das alles nichts hilft? „Dann bliebe uns nur, sie erst zu betäuben und dann schmerzfrei zu erlösen.“

Bis Redaktionsschluss gab es aus dem Zoo keine neue Nachricht zu Salinas Zustand.

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