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Sterbebegleitung: Zeit haben und zuhören

Sterbebegleitung : Zeit haben und zuhören

Der Hospizdienst Lebenszeiten war der erste in der Stadt.

Menschen begleiten in ihrer letzten Lebenszeit – und deren Angehörige. Dazu hat sich der „Hospizdienst Lebenszeiten“ gegründet. Der Verein mit Sitz an der Schusterstraße war der erste in Wuppertal und wird bald 25 Jahre alt. Im kommenden Jahr soll das gefeiert werden.

„Wir waren praktisch Vorreiter“, sagt Gerlinde Geisler, Koordinatorin des Dienstes. Sie und ihre Kollegin Gabi Murach, beide Krankenschwestern mit Fachweiterbildung in „Palliative Care“, organisieren die Besuche bei den Sterbenden und ihren Familien. Diese machen sie nicht selbst, sondern das übernehmen rund 60 Ehrenamtler.

„Das ist ein bunt gewürfelter Haufen“, sagt Gerlinde Geisler. Es sind viele Frauen, auch einige Männer, religiöse Menschen und solche ohne religiöse Bindung. „Ich bin im Ruhestand und wollte etwas machen, was nichts mit meiner Arbeit zu tun hat“, erklärt Rainer Zeh, einer der Ehrenamtler. Über die Ehrenamtsbörse „Zentrum für Gute Taten“ kam er vor fünf Jahren zur Sterbebegleitung. „Dieser unmittelbare menschliche Kontakt, das erfüllt einen“, sagt er.

Er hat wie alle ehrenamtlichen Sterbebegleiter eine halbjährige Ausbildung absolviert, in der sie etwas über Tod und Trauer erfahren, Möglichkeiten kennenlernen, mit den Sterbenden Kontakt aufzunehmen, und über ihr eigenes Verhältnis zum Sterben nachdenken. In regelmäßigen Treffen und bei Fortbildungen tauschen sie sich aus. Aktuell besucht er eine alte Dame mit Demenz, die kaum mehr kommunizieren kann. Aber wenn er Volkslieder singe, merke er, dass es ihr gefällt. „Sie sagt dann ,schön’.“

Das Thema Tod wieder in
die Mitte der Gesellschaft tragen

Er habe aber auch schon jemanden begleitet, der ganz klar war. „Der hatte einfach Interesse, sich zu unterhalten, über Gott und die Welt.“ Gerlinde Geisler sagt: „Das ist häufig so. Viele haben ein Wunsch nach Normalität, wollen nicht immer über den Tod reden.“

Manche verdrängen den Tod. Dass ihr todkranker Bruder von seiner Prognose nichts wissen wollte, machte Sylvia Everz zu schaffen. Ihr hat Sterbebegleitung als Angehöriger sehr geholfen. „Für mich war wichtig, mit jemandem zu sprechen, der Erfahrung hat.“ Ihre gute Erfahrung hat sie dazu bewegt, jetzt im Vorstand des Vereins mitzuarbeiten.

Gabi Murach weiß, dass Sterbebegleitung in der Pflege zu kurz kommt: „Pflegekräfte haben zu wenig Zeit.“ Das war ein Grund für sie, beim Hospizdienst einzusteigen. „Hier geht es nicht ums Geld, sondern nur darum, den Sterbenden noch etwas Gutes zu tun, Zeit zu haben, zuzuhören. Zu versuchen, ihnen einen würdevollen Tod zu ermöglichen.“ Sie habe schon so viel Dankbarkeit dafür erlebt: „Was da zurückkommt, das wiegt mehr als Geld.“

Der Verein hat sich darüber hinaus zur Aufgabe gemacht, das Thema Tod wieder in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Dazu gibt es Vorträge, Kurse in „Letzter Hilfe“, Schulprojekte und Angebote zur Trauerbegleitung wie Trauerspaziergänge und ein Trauercafé.