Zehn Jahre Alleinerziehenden-Treff

Zehn Jahre Alleinerziehenden-Treff

42 Prozent aller Elternteile, die auf sich alleine gestellt sind, leben unter der Armutsgrenze.

Vohwinkel. Mal eben einen Kaffee mit Freunden trinken gehen oder kurzfristige Termine wahrnehmen — für Alleinerziehende ist das fast unmöglich. Die Kinderbetreuung muss in der Regel lange im Voraus geregelt werden. Private Interessen oder eine berufliche Karriere bleiben da meist auf der Strecke. Entsprechend wichtig ist für betroffene Mütter und Väter ein Ort, an dem sie sich unter Gleichgesinnten austauschen können.

In Vohwinkel ermöglicht das der Alleinerziehenden-Treff im Katholischen Familienzentrum an der Gustavstraße. Er bietet den Teilnehmern Gelegenheit, etwa ganz offen über Sorgen und Nöte zu sprechen. In der Gruppe ist der Zusammenhalt groß und die Mitglieder helfen sich gegenseitig. Seit zehn Jahren gibt es den Treffpunkt schon. Der besondere Geburtstag wurde gerade mit einem bunten Fest im Pfarrzentrum St. Mariä Empfängnis gefeiert.

Stephanie Natho hat die Gruppe 2008 gegründet. Heute treffen sich 16 Mütter und zwei Väter regelmäßig in den Räumen des Familienzentrums. Die engagierte Gruppenleiterin ist selbst alleinerziehend und kennt die speziellen Probleme, mit denen die Betroffenen konfrontiert sind. „Das fängt schon damit an, dass Elternabende in der Schule schwierig sind, da jemand auf die Kinder aufpassen muss“, sagt Stephanie Natho. Doch auch wenn der Ex-Partner in der Umgebung wohnt und möglicherweise bei der Erziehung einen Beitrag leisten kann, laufe das meist nicht konfliktfrei. „Es gibt es oft Befindlichkeiten“, sagt Stephanie Natho. Außerdem spiele nicht selten die finanzielle Situation eine Rolle. „Rund 42 Prozent aller Alleinerziehenden leben unter der Armutsgrenze“, erläutert Natho. Angesichts dieser Herausforderungen ist der Alleinerziehenden-Treff eine wichtige Unterstützung. „Es tut vielen gut, im ersten Schritt einfach mal ihr Herz ausschütten zu können“, betont die Leiterin. Nicht jeder werde durch die eigene Familie und Freunde aufgefangen. Natürlich geht es auch um konkrete Lösungsmöglichkeiten.

In der Gruppe gibt es etwa die Möglichkeit einer Kinderbetreuung zu einem überschaubaren Preis. Auch beim Wiedereinstieg ins Berufsleben wird geholfen. Bei der Gründung hat Stephanie Natho viel Unterstützung von der Gemeinde erfahren. „Als ich damals nach Räumen gesucht habe, bin ich auf offene Ohren gestoßen“, berichtet sie. Ein großer Vorteil sei die Organisation des Alleinerziehenden-Treffs unter dem Dach des Familienzentrums. Das bedeutet eine Vernetzung mit Kooperationspartnern wie der Erziehungsberatung der Caritas.

Zu den Treffen, die alle 14 Tage stattfinden, darf der Nachwuchs natürlich mitgebracht werden. Die Konfession spielt in der bunt gemischten Gruppe keine Rolle. Wer sich für das Angebot interessiert, kann sich bei Stephanie Natho unter stephanie.natho@uni-duesseldorf.de melden.

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