WZ-Zustellerin geht nach 53 Jahren in den Ruhestand

Menschen : 53 Jahre lang mit der WZ durch die Stadt

Irmgard Hustadt trägt seit 1965 die Westdeutsche Zeitung aus. Sie kann auf eine bewegte Arbeitszeit zurückblicken.

Nach 53 Jahren soll nun Schluss sein: WZ-Zustellerin Irmgard Hustadt geht in den Ruhestand. Seit 1965 hat die 83-Jährige jeden Morgen Zeitungen ausgetragen. Nun kommt aber doch das Alter dazwischen. „Es geht alles nicht mehr so leicht in meinem Alter“, erzählt sie. Das Laufen falle ihr nun zunehmend schwerer.

Angefangen habe sie als Zustellerin, da sie und ihr erster Mann sich ein neues Schlafzimmer anschaffen wollten. Als das Schlafzimmer bezahlt war, machte Irmgard Hustadt trotzdem weiter.

Seit 1983 immer mit dabei: ihr zweiter Mann Harry Botscheck (82). Zusammen sind sie jeden Morgen um Mitternacht aufgestanden, um die Zeitungen mit dem Auto abzuholen. Anschließend ging es für Irmgard Hustadt zu Fuß weiter durch ihren Bezirk in Cronenberg. Bis 4 Uhr morgens seien sie dann unterwegs gewesen, um alle Zeitungen zu verteilen. „Bevor wir vor drei Jahren in Rente gegangen sind, war das alles noch schwieriger. Da hatten wir noch unser Marktgeschäft und mussten morgens nach dem Austragen und einem kurzen Frühstück direkt weiter zur Arbeit auf den Markt“, sagt Harry Botscheck. Trotz des stressigen Alltags wollte Irmgard Hustadt das Zeitungsaustragen nie aufgeben. „Ich habe immer gesagt, dass ich weitermache bis ich 90 bin“, sagt sie.

Feiernde luden sie beim Zustellen zum Bier trinken ein

In ihren über 50 Jahren als Zustellerin hat sie einiges erlebt. Eine Zeit lang habe ein Kater jede Nacht am Friedenshain auf sie gewartet und sie auf ihrem Weg durch die Straße begleitet - nur bei Regen sei er nicht aufgetaucht. In einer Nacht kamen Irmgard Hustadt und ihr Mann an einem Haus vorbei, in dem eine Eheschließung gefeiert wurde. „Als die Ehefrau uns sah, fiel ihr ein, dass es Glück bringt, mit Zeitungszustellern ein Glas Bier zu trinken“, lacht Harry Botscheck.

Über die Jahre habe sich aber einiges geändert. „Früher haben wir auch noch kassiert bei den Leuten. Da hat man sich immer gut unterhalten, und man kannte die Leser“, erzählt Irmgard Hustadt. Bei einigen Lesern seien sie sogar mal eingeladen gewesen. „Heute ist alles viel anonymer. Man kennt die Leute alle gar nicht mehr, da sie ja nicht mehr persönlich bei uns bezahlen“, fügt Harry Botscheck hinzu.

Bis Ende des Monats will Irmgard Hustadt weitermachen, danach soll Schluss sein. Momentan ist sie jedoch krankgeschrieben. „Ich wache trotzdem jede Nacht zu der Zeit auf, zu der ich normalerweise losgegangen wäre“, sagt sie.

So ganz auf den Ruhestand festlegen will sie sich dann aber nicht: „Mir wird etwas fehlen. Vielleicht schaff’ ich es ja doch noch bis 90!“