Meinung WZ-Kommentar zum Qualitätsbericht des VRR: Ist mal wieder alles relativ

Wuppertal · Der Bahnverkehr muss sich seit einer Ewigkeit für seine Unpünktlichkeit und für sein Missmanagement entschuldigen. Oder rechtfertigen.

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Foto: Anna Schwartz/ANNA SCHWARTZ

Je nachdem, mit welcher Strategie das Unternehmen die Kommunikation mit seinen Kunden oder der Öffentlichkeit umsetzen will. Auch der aktuelle Qualitätsbericht des VRR, der nicht nur werblich, sondern auch kritisch mit den eigenen Unzulänglichkeiten umgeht, zeigt: Es funktioniert nicht reibungslos, aber es ist nicht alles schlecht. Die Statistik besagt zum Beispiel, dass die durchschnittliche Verspätung im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 um 43 Sekunden stieg. Jetzt lässt sich sagen: Na und? Ist das jetzt deutlich schlechter? Es hängt davon ab, welche Linien und welches Verkehrsunternehmen man nutzt, in welcher Häufigkeit man unterwegs ist, ob Pendler oder Ausflügler, ob man Zeit hat oder sich im Stress befindet. Natürlich hilft es genervten Kunden im Nahverkehr wenig, wenn die Verantwortlichen die Probleme mit hoch belasteten „Knotenpunkten“, Baustellen, Unwetter, „Störungen in der Infrastruktur“ oder sogar der unerwartet hohen Nutzung des 9-Euro-Tickets verteidigen und damit die Verantwortlichkeit auf andere übertragen. Letztlich messen wir als Bahnfahrer die Qualität anhand von Faktoren wie Verlässlichkeit, Komfort und Sauberkeit, angemessenen Preise und Berücksichtigung der Strecken. Die Ausreden dafür spielen keine Rolle.