Wuppertals Wirten fehlt Personal

Personal : Gastro, nein danke! Wuppertals Wirten fehlt Personal

Gastronomen klagen über fehlende Bewerber. Die Gewerkschaften begründen dies mit niedrigem Lohn und schlechten Arbeitsbedingungen.

Während des Studiums kellnern, das macht vielen Spaß. Doch anschließend in der Gastronomie arbeiten will kaum noch jemand. Die Wuppertaler Gastronomen klagen über fehlendes Personal. „Die Situation ist mehr als traurig“, sagt Thomas Jochum, Inhaber des „Wagner am Mäuerchen“. „Wenn von der Arbeitsagentur etwa 30 potenzielle Kräfte vermittelt werden, kann man froh sein, wenn sich fünf melden und zwei sich vorstellen.“ Ein Problem sei, dass viele Bewerber gar nicht Deutsch sprächen, eine Kommunikation also kaum möglich sei. „Das gilt für den Service und vor allem auch für die Küche. Wir suchen dringend Mitarbeiter. Aber die sind kaum zu finden.“

Auch Nguyen van Noi vom gleichnamigen Asia-Restaurant an der Neumarktstraße sucht Helfer: „Wir sind immer auf der Suche nach geeignetem Personal für Service und Küche. Wir brauchen Entlastung“, sagt er. Dem stimmt Zhang Zhaoyun Yukisaki, Geschäftsführerin von Yukisaki an der Bankstraße, zu. Auch dort sucht man Personal für die Abendstunden.

Dass der Gastro-Bereich über fehlende Mitarbeiter klagt, bestätigt Isabell Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin bei der Dehoga Nordrhein in Neuss, dem Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband für das Gastgewerbe. Das sei nicht nur im Sommer so, sondern im ganzen Jahr, betont Hausmann. „Das ist eines der Hauptthemen, das wir von den Betrieben zu hören bekommen: Wir kriegen kein Personal.“ Das gelte für Kellner in noch größerem Maße aber für Köche. Auf Wuppertal könne sie die Zahlen zwar nicht runter brechen, aber der NRW-Trend treffe auch auf das Bergische Land zu.

Auch die Zahl der Auszubildenden in der Gastronomie sinkt

Dass es sich bei den Zahlen um einen Trend handelt, wird auch daran deutlich, dass es noch immer Betriebe gibt, deren Personalsituation noch in Ordnung ist. Patrick Groda, Betriebsleiter im Barcelona an der Herzogstraße, sagt: „Bei uns wurde bereits im ersten Drittel des Jahres geeignetes Personal eingestellt. Deshalb können wir dem Sommer gelassen entgegensehen.“ Mit dieser Vorsorgemaßnahme habe man auf die derzeitige Situation am Markt reagiert.

Doch nicht jeder Gastronom kann dies umsetzen. Ein Problem sei, so Isabell Hausmann, dass auch die Zahl der Auszubildenden zurückginge. Die Branche versuche zu reagieren, etwa, indem Deutschkurse für Flüchtlinge angeboten würden. Insgesamt werde versucht, den Job attraktiver zu machen, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten. Eine Idee sei, dass Betriebe Vier-Tage-Wochen anböten. Dazu müsste allerdings unter Umständen mehr als zehn Stunden pro Tag gearbeitet werden, was der Gesetzgeber verbiete. Ein Dilemma auch beim Thema Aushilfen: Wer zum Beispiel tagsüber im Büro arbeitet und sich abends in der Gastro etwas dazu verdienen will, steht, so Hausmann, vor einer Hürde, wenn er über zehn Stunden kommen würde. Diese Regelung müsse angepasst werden, sagt Hausmann. Nicht zuletzt, damit Betriebe nicht in Versuchung geraten, Mitarbeiter „schwarz“ zu beschäftigen.

„Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist so eine schöne Branche, wo man mit vielseitigen, interessanten Menschen zu tun hat, wo man überall arbeiten kann, auf der ganzen Welt, die aber durch schlechte Arbeitsbedingungen unattraktiv wird“, sagt Zayde Torun von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Ein Thema sei vor allem die Entlohnung. Das Risiko von Altersarmut betroffen zu sein, sei im Gastgewebe mit am größten. Torun kritisiert die Arbeitgeber. Nach Einschätzung der NGG halte sich mittlerweile ein Großteil der rund 8000 Gastrobetriebe in der Stadt nicht mehr an Tarifverträge.

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