Wuppertals Studenten verbringen zu viel Zeit in überfüllten Bussen

Elberfeld : Wuppertals Studenten verbringen zu viel Zeit in überfüllten Bussen

Viele Studierende kritisieren das Busangebot zur Universität. Die WSW sagen, dass die Seilbahn die Situation verbessern würde.

. Montagmorgen während der Vorlesungszeit, kurz vor 8 Uhr: Studenten warten am Busbahnhof auf den Uni-Express. In zwei Minuten kommt der Bus, heißt es seit inzwischen vier Minuten auf der Anzeigetafel. Mittlerweile hat sich eine Menschentraube an Bussteig 3 gebildet. Rund 200 Studenten warten dort. Die Sorge, ob sie überhaupt in den nächsten Bus hineinpassen werden, ist ihnen im Gesicht anzusehen. Der eine oder andere wirft einen Blick auf seine Armbanduhr. Die Vorlesungen beginnen gleich und die Professoren sehen Verspätungen nicht gern.

„70 Prozent der Uni-Expresse halten in der Zeit von 8 bis 10 Uhr am Busbahnhof. Die 30 Prozent, die von der Stadthalle aus starten, sind lediglich Verstärkung“, erklärt Ludwig Froning, Leiter des Bereichs Angebotsplanung bei den Wuppertaler Stadtwerken (WSW). Alle Uni-Busse vom Hauptbahnhof aus starten zu lassen, sei zu teuer. Der Fahrtweg über drei Ampelanlagen sei zu lang. Es müssten mehr Fahrzeuge und Fahrer eingesetzt werden. „Wir reden hierbei über eine sechsstellige Summe“, sagt Holger Stephan, Pressesprecher der WSW.

Montagmorgen, kurz nach 10 Uhr: Ein Student läuft zur Stadthalle und sieht zwei Uni-Expresse fast leer davonfahren. Vorne an der Haltestelle steht noch die 615, die gerade ihre Türen schließt. Jetzt muss er die nächsten zehn Minuten warten. Es regnet. Und an der Ampel wartet schon ein Pulk Studenten, die gerade den Berg zwischen Hauptbahnhof und Stadthalle hoch gelaufen sind. Unverständnis über die Planungen bei den Bussen kommt auf. Der Regen macht die Situation nicht gerade gemütlicher.

Katrin Schusters studiert im sechsten Semester Biologie und Germanistik. Sie geht trotz des neuen Busbahnhofes weiter zur Stadthalle, um dort einzusteigen. Ihre Rechnung ist einfach: Studenten sind nicht gut zu Fuß. „Für mich sind die Busse sogar leerer geworden, weil keiner den Berg hochläuft“, sagt sie. Für sie habe sich insofern nichts geändert, erklärt sie und steigt in den Bus, der gerade an der Haltestelle angekommen ist. Die Türen schließen sich. In etwa sieben Minuten ist die Studentin am Grifflenberg.

„Unsere Busse kommen regelmäßig. Wir sind darauf fokussiert, wann die Züge im Hauptbahnhof ankommen“, erklärt Froning. Gerade zu Zeiten, wenn Züge aus Düsseldorf einfahren, werden Busse losgeschickt. Wenn die Züge aber Verspätung haben oder ein Bus ausfällt, könne es zur Pulkbildung kommen. Deswegen stehe er auch hinter dem Seilbahnprojekt. „Mit einer Seilbahn können mehr Leute innerhalb kürzerer Zeit transportiert werden“, sagt Froning. Ein weiteres Argument sei der Kostenfaktor: „Wir brauchen kaum Personal.“ Die Seilbahn würde eine deutliche Entlastung darstellen. Busse müssten nur noch zum Campus Freudenberg fahren. Außerdem würde sie das Stadtbild aufwerten, etwas Innovatives zeigen und den Standort stärken. Strom sei zudem günstiger als Diesel, erläutert WSW-Sprecher Stephan.

Aber was passiert, wenn die Seilbahn nicht kommt? „Dann ändert sich nichts“, so Froning. „Vielleicht wird es in Zukunft etwas Handlungsbedarf geben.“ Sollte der Bedarf, also die Zahl der Studierenden aber weiter steigen, müssten trotz der Zusatzkosten mehr Busse eingesetzt werden. Zunächst sei damit aber nicht zu rechnen. Eine Prognose zu den Studierendenzahlen für die kommenden Jahren wollte die Universität auf WZ-Anfrage nicht abgeben. Im aktuellen Wintersemester sind 22 751 Studierende eingeschrieben.

Montagnachmittag, 15.45 Uhr: Die letzte Vorlesung ist beendet. Die ersten Studenten warten auf den Bus, der sie wieder zum Hauptbahnhof bringt – oder zur Stadthalle, wenn sie den Express nehmen. Dann werden sie die Bahnhofstraße im Regen hinunterlaufen müssen.

„Es fahren deutlich mehr Menschen bergauf als bergab“, weiß Froning. Deswegen setzten sie die Expresse zwar nachmittags noch regelmäßig, aber planmäßig seltener ein. Problematisch findet Studentin Anna Steilen die Situation am Abend, wenn ihre Vorlesung erst um 20 Uhr endet. „In einen Bus passen nicht alle Leute einer großen Wiwi-veranstaltung. Da ist man zu Fuß schneller, was abends im Dunkeln und bei Regen auch nur mäßig cool ist“, erklärt die angehende Wirtschaftswissenschaftlerin. Dennoch gehe sie dann lieber zu Fuß, um schneller nach Hause zu kommen. Ihr Kommilitone Marian Blum, der Sicherheitstechnik studiert, meint: „Es wäre klug, wenn man den Fahrplan nach den Vorlesungszeiten richten würde.“

Ulrike Reutter, Professorin im Lehr- und Forschungsgebiet Öffentliche Verkehrssysteme und Mobilitätsmanagement an der Bergischen Universität, sagt, dass bei der Verkehrsplanung zwischen den einzelnen Standorten Haspel, Grifflenberg und Freudenberg unterschieden werden müsse. „Am Campus Haspel ist die Überquerung der B7 problematisch, ebenso wie die Fußwegverbindung zur Haltestelle Landgericht“, erklärt sie. Am Grifflenberg seien die Busse überfüllt und der Campus Freudenberg sei schlecht mit Bus und Bahn zu erreichen. Wichtig sei eine bessere ÖV-Verbindung der Standorte untereinander.

Robin Dulinski, Master-Student Maschinenbau, kennt die Situation, zwischen zwei Campus wechseln zu müssen. Oft blieben dafür nur 30 Minuten Zeit zwischen den Vorlesungen, sagt er. „Die zwei Busse, die zum Freudenberg fahren, halten an verschiedenen Haltestellen.“ Dies sei umständlich. Der Express hält am Haupteingang der Universität, die 603 dagegen an der Uni-Halle. „Das ist zeitlich kaum zu schaffen“, beschreibt er die Situation, erst zur Haltestelle zu laufen und dann noch auf den Bus warten zu müssen. Beide Busse brauchen etwa zehn Minuten bis zum Campus Freudenberg. Und dann müsse man noch zum Raum laufen. „Deswegen nehme ich dann doch lieber das Auto, damit bin ich schneller“, sagt Robin Dulinski. Das Busangebot ist ihm vor allem abends zu gering: „Zum Glück muss ich dann nicht noch weiter mit dem Zug.“

Zwei Drittel aller Studierenden nutzten den ÖPNV und die Hälfte aller Beschäftigten komme mit dem Auto, sagt Prof. Reutter. „Am Hauptbahnhof sollte klar ausgeschildert werden, wo die Busse zum Campus Grifflenberg abfahren, damit sich Routinen einstellen können“, schlägt sie vor. „Die Seilbahn würde mit Sicherheit zu einer Entlastung führen“, sagt sie. „Es ist aber wichtig, was parallel dazu für den Busverkehr geplant ist. Der gewonnene Straßenraum sollte dazu genutzt werden, die Infrastruktur für Fahrräder und für den Busverkehr auszubauen.“

Soufian Goudi, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), erklärt, dass viele Studenten direkt am Hauptbahnhof in die Linienbusse steigen würden, anstatt zur Stadthalle zu laufen: „Dadurch kommt es immer wieder zu Überfüllungen der regulären Buslinien, wodurch der Uni-Express dann manchmal nicht ausgelastet ist.“ Der AStA bemängelt auch das fehlende Angebot an Fahrten an den Wochenenden.

Die Seilbahn sieht Goudi als Chance, den Wuppertaler Süden besser an die Innenstadt anzubinden und für Studenten attraktiver zu gestalten. „Auch dass bei Stoßzeiten innerhalb kürzester Zeit weitere Gondeln eingefügt werden können, halten wir für existenziell wichtig, um lange Wartezeiten und Frustration zu vermeiden“, sagt Goudi.

Zum Semesterstart im April werden die Studenten wieder auf die Busse warten. So wie jeden Tag bis zu ihrem Abschluss.

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