Meinung: Wuppertals schmuddelige Ecken sind beschämend

Meinung : Wuppertals schmuddelige Ecken sind beschämend

Wuppertals Grünflächen sind vermüllt, die Fußgängerzonen werden als Aschenbecher missbraucht und auf Pflastersteinen kleben Kaugummis. Beschämend ist dieser Zustand - ein Kommentar.

Wenn im Opernhaus das Pina-Bausch-Ensemble auftritt, lassen sich Fans nicht zweimal bitten. Die Abende sind im Nu ausverkauft, vor den Abendkassen bilden sich lange Schlangen, vor der Tür werden glückliche Besitzer von Karten gefragt, ob sie nicht in Erwägung ziehen könnten, sich gegen Geld von ihren Tickets zu trennen. Das Tanzensemble ist ein Star, es ist ein Publikumsmagnet.

Foto: Schwartz, Anna (as)

Ähnliche Szenen spielen sich um die Stadthalle ab, wenn, wie zuletzt, Weltstars wie Anne Sophie Mutter, Martha Argerich, Till Brönner und Thomas Quasthoff ihre Visitenkarten in Wuppertal abgeben. Dann wimmelt der Saal von Besuchern aus ganz Deutschland. Kultur macht Wuppertal bekannt. Sie ändert das Bild von einer Stadt, die viel zu oft hoffnungslos unterschätzt wird.

Aber irgendwann sind Tanzabende und Konzerte auch vorbei. Dann ist es vielfach üblich, in umliegenden Kneipen oder Restaurants den zumeist sehr schönen Abend in einem sehr schönen Ambiente Revue passieren zu lassen. Doch der Weg zu Kneipen und Restaurants oder auch nur zum eigenen Auto ist allzu oft ernüchternd.

Wer jemals vom Opernhaus den Barmer Werth erreichen wollte und dafür die Unterführung am Alten Markt gewählt hat, der weiß nun, wovon die Rede ist. Es ist dunkel dort, es ist nass, es ist schmutzig und es riecht streng. Abgesehen davon, dass Wuppertaler das selbe Recht auf Sauberkeit und Sicherheit haben, werfen solche Ecken ein Licht auf diese Stadt, das viele auswärtige Besucher davon abhalten wird, jemals nach Wuppertal zurückzukehren — trotz Pina Bausch, trotz Top-Programm in der Stadthalle, trotz Schauspiel, Orchester, Skulpturenpark und Schwebebahn, trotz der schönen Parks und Trassen.

Das ist schlecht, denn Bekanntheit nützt Städten nur, wenn die Bekanntheit mit ausschließlich guten Erinnerungen verbunden sind. Da hat Wuppertal vielerorts Schwächen — nicht in der Optik, sondern im Auftritt. Grünflächen sind vermüllt, Fußgängerzonen werden als Aschenbecher missbraucht, Kaugummis kleben auf Pflastersteinen. Und wo eine Fassade liebevoll hergerichtet wird, prangt wenig später ein Farbfleck.

Und die Stadtverwaltung? Sie erklärt sich für machtlos. Sie sieht dem üblen Treiben tatenlos und scheinbar machtlos zu. Dass beispielsweise 2000 Euro pro Monat und öffentlicher Toilette nicht ausreichen sollen, eine solche Anlage in einem ordentlichen Zustand zu halten, klingt abenteuerlich. Bei Bezahlung des Mindestlohnes reicht diese Summe aus, um 226 Stunden pro Monat aktive Aufsicht zu bezahlen, das sind annähernd acht Stunden pro Tag, inklusive Wochenenden. Wer es dann immer noch nicht auf die Toilette schafft, den sollte die Stadt zur Kasse bitten. Das belgische Gent macht es vor. Dort kostet das 120 Euro.

Selbstverständlich sind es nicht die Stadtverwalter, die Wuppertal verdrecken. Es sind Wuppertaler, denen beispielsweise auch der kürzeste Weg zur nächsten Abfalltonne noch zu weit ist. Es sind Hundehalter, die sich immer noch nicht entblöden, die Hinterlassenschaft ihrer Lieblinge liegen zu lassen, es sind Farbschmierer, die das Eigentum anderer nicht respektieren. Es sind zu viele.

Und dennoch kann die Stadt mehr tun, als sich hinter einer vermeintlichen Machtlosigkeit zu verschanzen. Wer Falschparker behelligen kann, der kann auch uneinsichtigen Hundehaltern, Müllrowdies und Farbschmierern eine kostspielige Quittung für ihr Handeln geben. Wo der Wille dazu vorhanden ist, da ist auch ein Weg. So wie es ist, kann es jedenfalls nicht bleiben. An viel zu vielen Stellen ist der Zustand dieser Stadt unwürdig und beschämend.

Mehr von Westdeutsche Zeitung