Wuppertals Pionierleistungen auf 110 Seiten

Buchvorstellung : Wuppertals Pionierleistungen auf 110 Seiten

Journalistin Tanja Heil und Knipex-Chef Ralf Putsch stellen „Original aus dem Tal“ vor.

Wer hat’s erfunden? Die Antwort „Menschen aus dem Wuppertal“ stimmt viel häufiger, als man meinen könnte. Wuppertal hat weit mehr zu bieten als die Schwebebahn oder Aspirin. Wer weiß schon, dass hier der Beruf der Stenotypistin entstand? Dass der Barmer Ingenieur Johann Heinrich Bockmühl die erste Flechtmaschine baute? Dass 1830 die erste moderne Handelskammer in Deutschland ihre Arbeit im Tal aufnahm, als demokratisch gewählte Interessenvertretung? Über all das und noch viel mehr kann man jetzt in dem Band „Original aus dem Tal. Wuppertaler Innovationen und Pionierleistungen“ lesen, das die Journalistin Tanja Heil und der Knipex-Chef Ralf Putsch in der Edition Köndgen herausgegeben haben.

„Auffallend ist der Anteil an Beispielen, die geprägt sind von Bürgergeist, Orientierung am Gemeinwohl und der Entschlossenheit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, statt auf Politik und Staat zu warten“, schreibt Putsch im Vorwort. Er hatte die Idee zu dem Projekt und holte dazu Heil ins Boot. In den 17 Beispielen des Bandes geht es nicht nur um technische Innovationen, sondern auch um gesellschaftliche. Stichworte sind etwa das Elberfelder System, eine Art Sozialsystem, das Elberfelder Großbürger entwickelten und das auf ganz Europa ausstrahlte. Oder die Kolpingfamilie oder der CVJM, die beide im Wuppertal ihre Wurzeln haben. Die Industrialisierung brachte neue Probleme mit sich, für die es neue Lösungen zu finden galt. Und Elberfeld wie Barmen gehören zu den ersten Industriestädten in Deutschland. Nicht nur, weil Johann Gottfried Brügelmann 1784 mit seinen Spinnmaschinen eine Fabrik ganz neuen Typs einrichtete, eine Pioniertat für ganz Deutschland.

Auf Neueres bezieht sich das Kapitel über Tigges und die ersten pauschalen Studienreisen für Gruppen, auf die Jetztzeit das Tanztheater Pina Bausch oder die Nordbahntrasse. Und manches habe dann doch nicht den Weg ins Buch geschafft, erzählt Tanja Heil. „Die Ampel, die an der Kreuzung Wiedener-/Düsseldorfer Straße stand, war zwar eine der ersten in Deutschland, aber eben nicht die erste.“ Die erste Serienproduktion von Fensterbriefumschlägen oder der erste Barcode hielten der Recherche zwar Stand. Aber die entsprechenden Firmen hätten kein Archiv, es kam nicht genug Material für ein Kapitel zusammen. Dafür ist Heil bei anderen Themen auf Menschen gestoßen, die noch viel erzählen konnten, was die Ergebnisse aus Bibliothek, Stadtarchiv oder Firmenarchiven ergänzen konnte. Heil schrieb die meisten Kapitel. Gastautoren sind Jürgen Eidam (Bergbahn), Eberhard Illner (Engels als Begründer der Soziologie), Antonia Dinnebier (Hardt) und Marion Meyer (Tanztheater Pina Bausch). Putsch: „Nicht umsonst spannt sich der Bogen von dem Chemiker Gerhard Domagk, dessen Forschung zum ersten umfassend wirksamen Antibiotikum führte, bis zu den jungen Forschern der Junior Uni. Das Buch soll die Wuppertaler stolz machen und ihnen zur Anregung dienen.“

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