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Wuppertals neues Prinzenpaar: Lustig – auch ohne Lobby

Wuppertals neues Prinzenpaar: Lustig – auch ohne Lobby

Ralf Bosadjieff und Michaela Garenfeld führen Wuppertals Narren in harter Zeit.

Wuppertal. "Willst du meine Prinzessin sein?" Was sich wie ein Heiratsantrag anhört, ist in Wahrheit keiner. Trotzdem hat Mann Frau mit dieser Frage um den Finger gewickelt, denn sie hat Ja gesagt: In der kommenden Karnevals-Session werden Ralf Bosadjieff und Michaela Garenfeld Wuppertals Prinzenpaar sein.

"Einmal Prinz sein", davon träumte Ralf I. von den Funken Blau-Gold Elberfeld schon als Kind. Damals rief er aus voller Kehle "Wupdika", jubelte den Jecken auf den Karnevalswagen zu und fing Süßigkeiten am Straßenrand - jetzt wird er das Zepter des närrischen Regenten in der Hand halten. Diese jecke Ehre wollte Bosadjieff, der als Wildecker-Herzbuben-Parodist im Tal bekannt ist, nur in seiner Heimat Wuppertal genießen.

"Ich liebe diese Stadt einfach", sagt der 45-jährige Barmer. An seiner Seite ist Michaela Garenfeld von der Ehrengarde der Stadt. Jecker Frohmut liegt bei ihr in der Familie, war ihr Sohn als ChristianII. in der Session 2005/06 doch schon Kinderprinz der Stadt.

Ist es für die neuen Regenten denn schwierig, witzig zu sein? "Ach, wir sind das ganze Jahr über Pappnasen", scherzt Michaela I. im Gespräch mit der WZ. Lachen, Humor und Freude am Feiern - ideale Voraussetzungen für Michaela I. und Ralf I., um in der fünften Jahreszeit, Fröhlichkeit zu versprühen. "Karneval bedeutet für uns, Menschen Freude zu machen, damit sie für einen Augenblick ihre Sorgen - vor allem in der Wirtschaftskrise - vergessen", sagt die 38-jährige Vohwinklerin. Ihr Prinz nickt. Aus diesem Grund möchte das Prinzenpaar während seiner Regentschaft zahlreiche Besuche in Krankenhäusern und Altenheimen machen. "Wir möchten die Menschen zum Lachen bringen", sagt Ralf I. Unterstützen wollen die beiden vor allem Kinder - bedacht werden soll die Kindertafel in Vohwinkel.

Das Dasein als Prinzenpaar braucht allerdings nicht nur Humor, sondern auch akribische Vorbereitung. Dabei plaudert die Prinzessin gerne aus dem Nähkästchen. Als sie ihr Sessions-Gewand bei der Schneiderin anprobierte, staunte ein Kind: Guck’ mal Mama, in unserer Straße wohnt Cinderella." Der Wunsch nach einem Autogramm folgte sogleich. Es sind solche Momente, die Michaela I. und Ralf I. zu ihrem Ehrenamt motivieren.

Ob die beiden Neid empfinden, wenn sie auf die Karnevalshochburgen Düsseldorf oder Köln schauen? "Nein, in Wuppertal wird auch gerne voller Begeisterung Karneval gefeiert", sagt RalfI. Ihn ärgert eher die Tatsache, wie der Karneval im Bergischen schlechtgeredet würde. "Ich würde mir eine größere Lobby für den Karneval in Wuppertal wünschen." Dazu zählt er auch mehr Unterstützung von der Stadt. Denn die Karnevalisten stöhnen nicht nur über die umfangreichen Auflagen für den Rosensonntagszug, sie fürchten angesichts der Haushaltslage auch um den städtischen Zuschuss in Höhe von 4500 Euro. Mit gravierenden Konsequenzen: "Dann wäre der Karnevalszug in Gefahr", prophezeit Ralf I.

Dass der Karneval ein teuerer Spaß ist, hat der künftige Prinz auch selbst erfahren müssen: "Einmal Prinz sein kostet rund 20000 Euro" - für Kostüme, Ornate und Schmuck gehen ins Geld. Doch was ist schon Geld gegen einen Kindheitstraum?