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Wuppertals Kulturstätten suchen Lösungen für Corona-gerechten Betrieb

Auflagen sind hoch : Suche nach der idealen Lösung

Betreiber von Börse, Färberei und Co. gehen unterschiedliche Wege. Das Problem sind die Finanzen.

Wenig Publikum, dafür aber viel Personaleinsatz – die Kulturinstitutionen stöhnen angesichts der Corona-Auflagen. „Wir sind bei rund 20 Prozent der Besucher gegenüber dem Vorjahr“, sagt etwa Lukas Hegemann, Geschäftsführer des Kommunikationszentrums „Die Börse“. „Die Hälfte der Kurse läuft wieder, aber wir machen deutlich weniger Veranstaltungen als normalerweise.“ Gleichzeitig darf nur rund ein Drittel der Menschen in den Saal, die sonst kommen. Zwar hätte die Börse schon Theateraufführungen ohne Einhaltung der Abstände gemacht; „Solange aber in den Fluren, vor der Theke, auf den Toiletten und vor allem beim Einlass der Mindestabstand gilt, sind Veranstaltungen mit mehr als 100 Menschen im Moment bei uns schwer denkbar“, erklärt Hegemann. Gleichzeitig sei deutlich mehr Personal nötig – eine finanzielle Herausforderung.

Die Gäste werden mit Einbahnstraßen im Haus gelenkt. An Engstellen sorgt das Personal für die Einhaltung der Abstände. Allerdings dauert in der Börse alles etwas länger, weil von jedem Besucher die Personendaten und der Sitzplatz erfasst werden müssen. Doch die meisten sind dankbar, dass Kultur wieder stattfinden kann. „Bei uns ist das Publikum in 90 Prozent aller Veranstaltungen aktiver Teil des Geschehens, oft selbst bei Theaterveranstaltungen. Das geht zur Zeit fast gar nicht, so dass die (auch für das Publikum) oft merkwürdig leeren Veranstaltungen oft um den aktiven Teil gekürzt werden“, bedauert Hegemann. Immer wieder müssen seine Mitarbeiter die Gäste daran erinnern, dass Tanzen bei den Konzerten nicht erlaubt ist. Ärger gab es dabei jedoch noch nicht.

Auch die anderen Wuppertaler Kulturinstitutionen berichten von viel Verständnis der Besucher. „Mittlerweile haben sich die Menschen an die Hygiene- und Abstandsregeln ja allgemein gewöhnt“, sagt etwa Marion Meyer vom Von der Heydt-Museum. „Gelegentlich ist ein Hinweis auf das korrekte Tragen des Mund- und Nasenschutzes erforderlich, was aber glücklicherweise die Ausnahme darstellt.“ Für die Sonderausstellung zu Friedrich Engels hat Lars Bluma, Leiter des Historischen Zentrums, sogar zusätzliches Personal besorgt, das in allen Räumen darauf achtet, dass die Besucher die Abstände einhalten und nichts berühren. Dort gibt es wegen der Corona-Auflagen allerdings deutliche Einschränkungen: Hörstationen und Touch-Bildschirme sowie ein eigens für die Ausstellung entwickeltes Engels-Brettspiel dürfen nicht benutzt werden. In den Museen fehlen auch die Gruppen und Schulklassen, die sonst kommen. Derzeit dürfen nur acht bis zehn Personen in eine Führungsgruppe. Vorträge und Workshops müssen ausfallen. „Digitale Ersatzangebote wie unsere Engels-Filme sind kaum ein adäquater Ersatz dafür. Die Klickzahlen auf unserem Youtube-Kanal sind ernüchternd“, sagt Bluma.

Im Gaskessel müssen die Gäste sogar auf dem Dach Masken tragen. Tickets gibt es nur mit fester Zeitvorgabe. Obwohl laut Vorgaben 230 Personen gleichzeitig eingelassen werden dürften, hat das Führungsteam die Zahl auf 130 reduziert. Kameras überwachen die Hotspots, an denen sich meist besonders viele Menschen knubbeln. Auch Hochzeiten bleiben auf 30 Teilnehmer reduziert. „Wir bleiben auf der strengen Seite“, erklärt Pressesprecher Christian Höher. Auch beim Talflimmern herrscht viel Abstand zwischen den Sitzen, statt 199 dürfen derzeit nur 75 Menschen die Filme gucken. Doch die Stimmung sei gut und die Besucher gelassen und fröhlich, betont Mark Tykwer.

Stößels Komödie ist wegen der Abstandsregelungen auf die Immanuelskirche ausgewichen und zeigt dort Ein-Personen-Stücke. Die festen Mitarbeiter sind jedoch weiterhin in Kurzarbeit. „Ab 14. August wollen wir wieder bei uns im Theater starten – die neusten Auflagen des Landes NRW erlauben das Spielen vor bis zu 300 Personen ohne Abstände, wenn man genau nachvollziehen kann, wer wo sitzt. Diesen Versuch starten wir, müssen aber sehen, ob sich das Eröffnen rechnet“, plant Kristof Stößel. Getrennte Ein- und Ausgänge sowie eine gute Klimatisierung reduzieren die Ansteckungsgefahr. Die Kontaktdaten werden direkt bei der Buchung abgefragt. Doch selbst in der großen Immanuelskirche seien die Gäste zurückhaltend bei der Buchung. „Angst ist kein guter Begleiter für einen Theaterbesuch“, bedauert Stößel. Auch die Färberei, die Konzerte jetzt in zwei Schichten hintereinander mit viel Abstand organisiert, bemerkt eine große Zurückhaltung bei den Buchungen. Die anderen Theater – Wuppertaler Bühnen, TiC, Müllers Marionettentheater und Taltontheater – haben derzeit Sommerpause.